„Die Prinzessin von New York“ ist nicht das Buch, wofür es sich ausgibt. Lies hier meine Analyse, was hier alles schief gelaufen ist – und warum ich das Buch trotz riesiger Vorfreude abgebrochen habe. Eine Anleitung für zielgruppengerechtes Marketing in drei Schritten:

Das Gute wird immer den Sieg über das Schöne behaupten.

Heinrich Heine

 

Es ist doch eine Tragödie: Das Cover hat mich angesprochen, der Titel hat mich angesprochen, der Klappentext hat mich angesprochen. Trotzdem habe ich dieses Buch abgebrochen. Warum? Marketing verfehlt! Aber Schritt für Schritt:

1. Cover

Jane Christo: Die Prinzessin von New York (Heartbeat Edition)

Jane Christo: Die Prinzessin von New York (Heartbeat Edition)

 

Es hat alles, was ein hübsches Cover für Mädchen (sorry … für junge Frauen) braucht: Eine hübsche Frau (oder zumindest ansehnliche Beine), einen Rock – und die Farbe Rosa (die, wie wir wissen, für mich so eine Art Magnet ist). Meine Aufmerksamkeit war also erregt!

Die Haltung der Dame erinnert ein bisschen an Historische Romane, also dachte ich sofort an eine starke Frauenfigur. Der Tüllrock ist nicht so ganz mein Fall und diese Sneaker würde ich vielleicht auch nicht auf einen Rock anziehen, aber trotzdem passt alles gut zusammen und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Die Patronenhülsen habe ich übrigens erst später entdeckt, hihi.

Für mich strahlt das Cover also aus: Junge, moderne, selbstbewusste und vielleicht ein bisschen rebellische Frau mit femininer Ader – genau mein Fall!

 

2. Titel

Die Prinzessin von New York.

Der Titel impliziert ja schon Mädchenträume, denn „Prinzessin“ und alles, was damit zu tun hat, ist immer super! „New York“ erklärt für mich die Turnschuhe und die modern-feminine Kleidung, also vielleicht eine moderne Adlige oder eine inoffizielle Prinzessin, z.B. die Tochter eines einflussreichen Mannes in New York. Egal wie: Count me in!

 

3. Klappentext

In New York war sie eine Prinzessin. Jetzt ist sie auf der Flucht.

Skyler ist die einzige Tochter von Silvio Rossi, Oberhaupt eines der mächtigsten Syndikate in New York City. Um seine Position zu behaupten, muss ihr Vater sie mit einer der führenden Mafia-Familien verheiraten. Doch Skyler denkt nicht daran, sich an den Höchstbietenden verschachern zu lassen und taucht unter. 
In L.A. versucht sie einen Neuanfang, geht an die Uni und lernt Julin kennen. Julin „The Killer“ ist der Star der illegalen Untergrundkämpfe und mit seinen brutalen Siegen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die beiden beginnen ein stürmisches Verhältnis, und Skyler ist auf dem besten Weg, ihr Herz an den ungeschliffenen Champion zu verlieren, bis sie erfährt, wer er wirklich ist.

Monatelang haben seine Leute die ‚Prinzessin von New York‘ gesucht. Als Skyler plötzlich in L.A. auftaucht, kann Julin sein Glück nicht fassen. Die Tochter seines Erzfeindes ist der Schlüssel zu New York, der Haupteinnahmequelle der Ostküste. Wer das Mädchen hat, besitzt die Macht. Julins Rache scheint perfekt, bis er Skyler kennenlernt.
 Dass er sich in sie verliebt, gehörte nicht zum Plan.

Sei ehrlich, findest du nicht, dass das wie ein perfekter Liebesroman klingt? Ein selbstbewusstes, prinzessinhaftes Mädchen, ein attraktiver und gefährlicher Bad Boy, die ganz großen Gefühle entgegen aller Logik und Gesetze.

Kurzum: Ich habe mich richtig auf dieses Buch gefreut!

 

Inhalt

Erst nach dem Lesen habe ich folgenden Hinweis auf der Amazon Kindle Beschreibung gelesen:

Dieses Buch ist ein Standalone und enthält Gewaltdarstellungen, Kraftausdrücke und Sexszenen.

Hätte ich besser mal früher gelesen. Ich wollte eine moderne Prinzessin, ich wollte eine Lovestory mit Hindernissen, ich wollte zwei starke Protagonisten.

Stattdessen bekomme ich derbe Gewalt, plumpe Sexszenen und richtig platte Dialoge von Testosteron-strotzenden Möchtegern-Pumpern und einer Protagonistin, die gerne Lisbeth Salander wäre, aber trotz ihres angeblichen Prinzessinnen-Status meilenweit unter dieser steht.

Ich meine, ich habe nichts gegen Möchtegern-Lisbeth-Salanders. Ich hätte Skylar vielleicht sogar mögen können, auch wenn mir ihre derbe Ausdrucksweise nicht immer gefallen hat. Mein Hauptproblem war eigentlich Julin. Es kam mir vor, als wäre jede Szene von ihm nur dazu da, um sich entweder in verherrlichender Gewalt oder erniedrigendem Sex zu verlieren. Also, nichts gegen Sexszenen. Aber … nun ja, es bedarf einfach mehr als „einen Schwanz in eine Pussy zu schieben“, um erotisch zu schreiben.

 

Fazit

Was ist hier also schief gelaufen? Entweder war ein sehr guter Agent/Lektor hier am Werk und hat für den perfekten Titel, Cover und Klappentext gesorgt – oder die Autorin selbst ist eine sehr viel bessere Vermarkterin als Autorin. Ich bin sicher, dass die Grundidee des Romans „Die Prinzessin von New York“ gut war und eine super Geschichte daraus hätte werden können. Aber die Umsetzung bleibt leider weit hinter den Möglichkeiten zurück. Schade!