Dies ist ein Plädoyer für menschliche Antagonisten und nicht-klischeehafte Rollenverteilungen. Lies hier, warum ich Frozen nicht so toll fand, aber Elsa mein Herz gehört.

That perfect girl is gone!

Elsa, Frozen

 

Schon in einem meiner ersten Artikel über Christopher Nolans The Prestige schreibe ich über meine Faszination von nicht ganz rollentreuen Protagonisten und Antagonisten: Antiheld und guter Schurke. In Disney’s Frozen lässt mich dieser Gedanke kaum noch los.

 

Gut gegen Böse: Ein Klischee

Warum gibt es Antagonisten?

Damit ein Held einen Widersacher hat und eine Geschichte Dynamik bekommt. Damit der Zuschauer (Leser) einen Grund hat, mit dem Helden zu bangen, sich um ihn zu sorgen, und das Geschehen atemlos zu verfolgen.

Und, damit der Zuschauer sich für eine Seite entscheiden kann – obwohl ihm diese Entscheidung sehr oft abgenommen bzw. aufgedrängt wird, denn der Antagonist kommt in der Regel ziemlich schlecht weg. Genauso wie Elsa aus Frozen, obwohl sie das weder verdient hat noch die Geschichte davon profitiert. Aber dazu später mehr.

Dies ist ein Plädoyer für Antagonisten! Autoren und Geschichtenerzähler, gebt euren Bösewichten mehr Herz, mehr Seele und mehr Raum. Macht sie menschlicher, macht eurem Leser die Entscheidung für eine Seite schwer!
Nehmt euch ein Beispiel an Severus Snape anstatt an Joffrey Baratheon.

 

Die Bürde des Bösen

Denn seien wir mal ehrlich, die meisten Antagonisten kommen ziemlich schlecht weg. Sie sind entweder ultraböse, ultra mächtig oder ultra hässlich – nicht selten alles zusammen (nein, wir denken jetzt nicht an Voldemort, denn Tom Riddle ist durchaus eine schillernde Persönlichkeit).

In gewisser Weise müssen die Bösewichte so stereotypisch sein, denn sie sollen ja einen Gegenpol zum Helden bilden, damit sich der Leser leicht für eine Seite entscheiden kann: Gutaussehend gegen unansehnlich. Sommer gegen Winter. Intelligenz gegen Stärke (oder manchmal auch andersherum). Edelmut gegen Egoismus. Gerechtigkeit gegen Willkür. And the list goes on and on …

Bin ich die Einzige, die das auf Dauer langweilig findet? Bin ich die Einzige, die sich für die Bösen interessiert?

Niemand fragt, warum die Bösen so sind, wie sie sind. Niemand interessiert sich für sie – meistens nicht einmal ihr Schöpfer, der Autor.

Vielleicht haben sie jemand Geliebten verloren? Vielleicht wurden sie von jemandem, dem sie vertrauten, verraten? Vielleicht haben sie zu viel Böses auf der Welt gesehen, dass sie keine Hoffnung mehr haben?
Zugegeben, der „Schlechte-Kindheit“-Joker ist ein wenig lahm, aber immer noch besser als „I’m bad because … fuck you.“

Oder vielleicht haben sie einfach zu viel Angst vor sich selbst und zu viel Druck von außen … So wie Elsa.

Sieht denn so etwa ein Antagonist aus?

Elsa / Disney's Frozen. (c)2013 Walt Disney

Elsa / Disney’s Frozen. (c)2013 Walt Disney

 

Frozen: Elsa und Anna

Schon in den ersten Minuten des Films war Elsa mein Liebling, ich kann nicht anders als mich mit ihr zu identifizieren. Vielleicht, weil ich selbst eine ältere Schwester bin, vielleicht, weil meine kleine Schwester auch ein quirliger Sonnenschein ist, der mir immer vorwirft, zu kühl zu sein. Oder vielleicht, weil endlich (noch) eine Disney-Prinzessin blond ist (ist sie überhaupt eine?) .

Umso schlimmer ist es für mich, dass Elsa recht früh zur Antagonistin abgestempelt wird, ohne wirklich eine zu sein. Klar, da wäre noch dieser österreichische Grandpa-Hampelmann und der WTF-Antiprinz Charming wie ein Jack out of the Box. Aber trotzdem konzentriert sich aller Groll der Figuren auf Elsa, die den ewigen Winter über das Land gebracht hat.

Also bin ich als Zuschauer gezwungen, der ganz süßen aber leider „just another adorable Disney princess“ Anna zu folgen, noch dazu verfolgt von diesem total unsexy Holzfäller-Dude mit seinem Rentier-Buddy und dem Möchtegern-Lumière Schneemann Olaf. Aber ich will doch bei Elsa bleiben! Elsa ist doch viel interessanter als Anna, ja sogar als die ganze Truppe zusammen.

Elsa hat das hübschere Kleid, Elsa hat die bessere Frisur – Himmel, Elsa wohnt in einem Glaspalast mit Kronleuchter und atemberaubender Aussicht!
Ganz nebenbei hat Elsa die schönere Persönlichkeit.

Bei ihr muss ich an ein Zitat von Lena Headey (Cersei Lannister in Game of Thrones) denken:

„She’s not bad. She’s just missunderstood.“

Und ja, ich finde Cersei Lannister toll, obwohl ich sie in den ersten Folgen gehasst habe. Aber jetzt bewundere ich sie. Und ich sehe sie gerne.

So, wie ich viele gute Antagonisten gerne sehe. Denn die Szenen mit ihnen haben immer eine ganz besondere Dynamik, eine besondere Spannung. Und eine seltsam anziehende Gefahr und Kühle.

Aber „the storm never bothered me anyway“ ;)

Nochmal zum Mitsingen: Die bezaubernde Verwandlung einer Prinzessin zur Königin … äh, Antagonistin!