Ich wollte mal wieder ein neues Buch kaufen. In einer Buchhandlung. Und ich war auf alles vorbereitet – bis auf die Fülle am Bücherregal. Wie ich mich schließlich doch entscheiden konnte:

Wenn du eine Million Möglichkeiten hättest,
könntest du sagen, dass du keine Wahl hast.

Pavel Kosorin

 

Heute war ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder in Köln und damit in meinem ganz persönlichen Paradies: Einer Mayerschen Buchhandlung. Bewaffnet mit einem Restgutschein und dem festen Vorsatz, nach all den Hörbüchern der letzten Monate mal wieder ein „echtes“ Buch zu lesen. Mit Seiten und allem, zum Blättern. Und mit diesem unverkennbaren Duft gedruckter Bücher.

Ich war auf alles vorbereitet. Nur nicht auf die Überforderung am Bücherregal.

 

 

Ein Wald aus Fantasy-Covern

Ich wollte also mit einem Fantasy-Buch nach Hause gehen. Hier muss ich zugeben, dass ich in keinem Genre wählerischer bin als in diesem. Warum?

1. Weil ich das Gefühl habe, dass nirgendwo mehr Nerds und Geeks (nicht böse gemeint!) schreiben als in Fantasy (und SciFi). Das ist ein ganz eigentümliches Völkchen, das so unglaublich verliebt in die Materie ist, dass es die Geschichte Mittelerdes wohl besser kennt als die unserer Erde. Das geht mir meistens zu weit.

2. Weil ich schon immer am liebsten Fantasy gelesen habe und seit fast fünfzehn Jahren unzählige Werke und Autoren verschlungen habe, von den altehrwürdigen Großmeistern J.R.R. Tolkien, Terry Brooks und David Eddings über Verrückte wie Terry Pratchett (er ist leider nicht mein Stil), Alternative wie Robert Schwartz, Düstere wie Andrzej Sapkowski bis zu Zeitlosen wie Wolfgang Hohlbein und G.R.R. Martin.

Aber darin liegt auch mein Problem: Ich habe oft das Gefühl, alles schon gelesen zu haben. Jedes Genre kämpft wohl mit seinen eigenen Klischees, aber in diesem ist es entweder der „Frodo: (Unbedarfter) Held, der sich auf eine Reise macht, damit das stygische Böse nicht die Welt verschlingt. Oder, neuerdings en Vogue, der „Altair: Düsterer Antiheld nach dem Harte-Schale-weicher-Kern-Prinzip, gerne auch Assassine: Der neue Inbegriff von „vielschichtiger Figur“.

Dazwischen einige Abstufungen, mal mehr mal weniger episch, mal mehr mal weniger naive/düstere Helden, aber im Großen und Ganzen … alles irgendwie schonmal da gewesen.

Ich weiß, das ist furchtbar arrogant und sicherlich in 80% der Fälle völlig ungerechtfertigt und ich lasse mir bestimmt einige verdammt gute Unterhaltungswerke entgehen. Und es tut mir auch wirklich leid!!! Aber ich habe – gerade in diesem Genre – einfach schon zu viel Mist und aufgewärmten Kaffee gelesen.

 

Cover + Klappentext + Erste Seite

*seufz* Es ist wirklich schwer mit mir. Man kann es mir nicht gut recht machen, ich weiß. Wenn ich auf dem Klappentext von epischer Magie, Elfen, Rassen und Co. lese, rolle ich schon mit den Augen (weil ich an diese oben genannten seltsamen Kauze denke, die auf LARPs herumrennen und Sindarin wie ihre zweite Fremdsprache sprechen).
Und wenn mir der Klappentext nicht das Gefühl gibt, die Lektüre dieses Buchs wird mir einen Mehrwert in Dramaturgie, Figuren und Plot bieten, über das hinaus, was ich schon kenne, dann schlage ich das Buch nicht einmal auf.
Oh, und wenn ich von Assassinen lese, erscheint auf meiner Manga-Schläfe jenes resignierende Pochen („Fällt euch nix besseres ein als euch an den Erfolg von Ubisoft dranzuhängen?“)

Umso erstaunlicher, dass ich mich aus der Flut des Bücherregals (das übrigens zu einem Drittel von George R.R. Martins Lied von Eis und Feuer Vol. 1-100 beherrscht wird) für DIESES Exemplar entschieden habe! :D Ich gebe den Attentätern (ich vermeide in letzter Zeit den Ausdruck Assassine) noch eine letzte Chance.

Brent Weeks: Der Weg in die Schatten. (c)2010 Blanvalet / Random House (dramaturgia)

Brent Weeks: Der Weg in die Schatten. (c)2010 Blanvalet / Random House (dramaturgia)

 

Wie konnte ich mich entscheiden – OBWOHL das ganze Ding förmlich nach SONEA von Trudi Canavan riecht (deren MAGIE ich übrigens auch nach dem dritten Anlauf immer noch nicht gut fand … *seufz* Die Fantasy und ich haben es echt schwer miteinander)?

Meine Formel:

(Cover + Klappentext + Erste Seite) / Ungeduld

Und zwar in dieser Reihenfolge.

 

1. Cover (und Titel)

Ich lasse mich zunächst in vollem Bewusstsein vom Marketing-Gespür der Verlage manipulieren. Die wissen schon, warum sie auf jede Romantik-Schnulze Damen mit aufreizendem Kleid an die (vorzugsweise nackte) Brust eines He-Mans kleben, warum jeder Historische Frauenroman à la Iny Lorentz wie ein selbiges Ölgemälde im Porträtstil aussieht und warum so viele „schwere“ Historische Romane à la Ken Follett und Rebecca Gablé Blumenranken und Ornamente auf Hellocker darstellen – weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist.

Und das ist auch gut so, denn sonst wäre ich wohl ohne ein Buch nach Hause gegangen.

 

2. Klappentext

Wenn Cover und Titel Interesse wecken, geht es an den Klappentext. Helden und stygisches Böse? Raus. – Elfen, Orks und Rassenkriege? Weg. – Frodos und Altairs? Nicht schon wieder!

Ich gebe zu: Die meisten Bücher bestehen diesen Test nicht. Von den knapp 20 Büchern, die ich heute in der Hand hatte, habe ich nur vier aufgeschlagen.

 

3. Ungeduld

Tja, und da kommt der Faktor Zeit und mein Sternzeichen zum Tragen (ich bin Widder: Dickköpfig, entscheidungsfreudig, ungeduldig). Also habe ich irgendwann meine Ansprüche an die erste Seite heruntergeschraubt und mir das erste Buch geschnappt, dessen erste Seite ich zumindest umgeblättert habe. Damit ganz schnell zur Kasse, um bloß nicht noch länger die Qual der Wahl zu haben.

Ich wusste nicht, dass Bücher shoppen so ANSTRENGEND ist!

Aber ich werde berichten, ob meine Erfolgsformel aufgegangen ist und mich Brent Weeks Erstling überzeugen kann.

 

Übrigens: Auch, wenn es vielleicht nicht so aussieht, ich liebe gute Fantasy-Bücher!!! Also bitte, wenn du eins für mich hast, ich bin dankbar für jede Empfehlung!