Twilight – Breaking Dawn 2: Bis(s) zum Ende der Nacht kommt am Donnerstag in die Kinos. Grund genug, Stephenie Meyers erfolgreiche Quadrologie noch einmal zu loben. Ohne Kitsch, ohne Schmacht. Rein auf Dramaturgie und Storytelling bezogen. Denn unabhängig davon, was die Filme daraus gemacht haben, die Buchvorlage hat ihren Erfolg verdient.

Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm

Edward Cullen

 

Der Löwe und das Lamm

Breaking Dawn 2 Kinoplakat. (c)2012 Summit Entertainment.

Breaking Dawn 2 Kinoplakat. (c)2012 Summit Entertainment.

Drei Worte, um jede Geschichte zusammenzufassen: Boy meets Girl.

Besonders packend dann, wenn „Girl“ das durchschnittliche, leicht naive, völlig unspektakuläre Alltagsmädchen ist (, damit sich auch wirklich jede Leserin mit ihr identifizieren kann), und wenn „Boy“ der sexieste, unglaublichste, faszinierendste Typ seit Menschengedenken ist. Je düsterer, umso sexier, je mehr nein, desto mehr JA! So läuft das.

(Isa)Bella Swan könnte nicht durchschnittlicher sein: 17 Jahre alt, Scheidungskind, Sportlegasthenikerin, Tollpatsch.
Edward Cullen hingegen könnte nicht faszinierender sein: Seit 94 Jahren anbetungswürdige 17, makellose Haut, Volvo-Fahrer, Vampir.

Edward nimmt mir die Worte aus dem Mund: Der Löwe und das Lamm.

 

Hallo, Klischee!

Ja, ja. Das kennen wir schon. Langweilig. Und unrealistisch! Warum dann so verdammt erfolgreich?

Weil wir Gegensätze sehen wollen. Weil wir Bücher und Filme sehen, um uns entführen zu lassen, um zu träumen. Von der Realität gibt’s schon genug, 24-7, 365 Tage im Jahr.
Also darf es auch gerne ein wenig mehr Fantasy oder SciFi sein.

Vampire, super! Nicht erst, seit Brad Pitt sein Interview gegeben hat, der Inbegriff von sexy. Werwölfe, ja! Bitte mehr davon! Wenn wir schon dabei sind, nehmen wir alles mit. Übernatürliche Fähigkeiten, Gedanken lesen, die Zukunft sehen, perfekt!

Und warum auch nicht? Twilight macht alles richtig. (Ich spreche AUSDRÜCKLICH von den Büchern. Die Filme versauen es alleine durch Kristen Stewart und die Maske).

Stephenie Meyer hat eine Quadrologie aus mehr als 2.300 Seiten erschaffen, eine sinnvolle, zielführende Reihe um – und das sage ich ohne Teenie-Schmachten – eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit. Aber das Wichtigste: Sie hat vier eigenständige Bücher erschaffen, vier in sich abgeschlossene Geschichten mit eigenem Plot, eigener Entwicklung und eigenem Höhepunkt. Es gibt ja wohl nichts Schlimmeres, als ein 600-Seiten Buch zu lesen, und am Ende vor “Fortsetzung folgt …” zu stehen, weil der Autor zu dämlich oder der Verlag zu gierig war, um die Geschichte innerhalb von einem Buch zumindest in einem Handlungsstrang zu einem sinnvollen Ende zu führen.

 

Einleitung – Heldenreise – Finale

Am Sonntag lief New Moon: Bis(s) zur Mittagsstunde auf ProSieben. Mal abgesehen davon, dass ich Robert Pattinson noch halbwegs attraktiv finden könnte, wenn er nicht diesen furchtbar rosaroten Lippenstift und eine zentimeterdicke weiße Puderschicht drauf hätte, und Kristen Stewart ständig aussieht wie eine Crackbraut, und abgesehen von den billigen Spezialeffekten und den wie ausgestopft wirkenden Plüschteddies aka Werwölfe – fand ich den Film ziemlich gut! Also kurz: Alles, was die gute Stephenie Meyer vorgelegt hatte – die Geschichte.

Bella und Edward sind überglücklich. Als sich unser Tollpatsch jedoch mitten in einem Haufen Vampire an einem Geschenkpapier schneidet, findet Edward, dass er sie am besten beschützen kann, indem er sie verlässt (okay … müssen wir nicht verstehen. Vampirlogik). Bella ist am Boden zerstört. Aber da ist ja noch ihr bester Freund Jacob, zwei Jahre jünger, lange Haare, Indianer. Und die beiden verstehen sich super. Als unser Indianermann dann von heute auf morgen zum muskelbepackten Playboy Werwolf wird, könnte es nicht perfekter laufen – bis Bella hört, dass Edward sich umbringen will.

Das klingt vielleicht lapidar daher gesagt, aber das ist eine super Handlung mit sinnigen Konflikten, sinniger Charakterentwicklung und klar strukturierten Wende- und Höhepunkten.
Am Ende des zweiten Teils haben wir noch zwei Bücher voller “Bella und Edward forever” vor uns, aber trotzdem ist das kleine Kapitel “Bella ohne Edward (Bella mit Jacob)” in sich stimmig abgeschlossen.

Man kann über diese Saga sagen was man will. Aber Stephenie Meyer kann es einfach!
Ehre, wem Ehre gebührt.

 

Twilight vs. The Immortals

Manchmal weiß man einfach nicht, was gut ist, bis man sieht, wie schlecht es eigentlich sein könnte. Hervorragendes Beispiel: Die “Immortals”-Saga von Alyson Noel. Same same, but different.

Kleiner Rollentausch: Das eigentlich relativ normale High-School Mädchen Ever verliert bei einem Autounfall ihre Familie, erhält durch die Nahtod-Erfahrung allerdings die “Gabe”, die Aura und Gedanken anderer Menschen sehen zu können. Bis sie den – “most gorgeous, most sexy guy on earth” (ich höre es auf Englisch), Damen, kennen lernt, dessen Gedanken sie sonderbarerweise NICHT sehen kann.

Oh Mann, wirklich, Alyson Noel? So twothousand and late. So Twilight.

Aber nein, doch nicht! The Immortals 1: Evermore, das erste von insgesamt 5 Büchern, ist ein wirklich wirklich gutes Jugendbuch in der Urban Fantasy. Ähnlich wie Twilight, aber kein Abklatsch. Teilweise sogar erfrischend anders, erfrischend unorthodox.

Warum spreche ich dann überhaupt davon?
Inhaltlich ist The Immortals super, die Charaktere sind hervorragend! Aber handwerklich, und vor allem, was Storytelling und Dramaturgie angeht, ist es furchtbar.
Das erste Buch, top! Bitte mehr davon. Das zweite Buch … not so much. Das Ende des zweiten Buchs: KATASTROPHE!

Ich will keine Details preisgeben, aber wer 1 und 1 zusammenzählen kann und sich die Klappentexte der Bücher 2-5 durchliest, wird feststellen, dass wir uns geschlagene 3 Bücher lang auf der Stelle bewegen! Wie war das weiter oben mit dem „Fortsetzung folgt …“ ?

Es gibt einen eigentlich wunderbaren Konflikt, der – innerhalb von einem, maximal zwei Büchern zu Ende gebracht – hervorragend wäre.
Aber bitte streckt doch diesen einen Konflikt nicht über drei Bücher und lasst uns währenddessen am ausgestreckten Arm verhungern!

Und statt sich darum zu kümmern, diesen Konflikt zu lösen, macht einfach noch ein paar andere Kisten auf, hey, ich warte dann so lange!

 

Ever, liebe Ever, nimm dir ein Beispiel an Bella: Die kommt erst trotz aller Widrigkeiten mit Edward zusammen (Buch 1), wird dann von ihm verlassen und nimmt ihren besten Freund Jacob wahr (Buch 2), ordnet ihre Gefühle in der Dreiecksbeziehung (Buch 3), und schlägt sich schließlich nach Heirat und Geburt auf die Seite der Vampire für einen großen Krieg (Buch 4).

Sie lässt sich nicht von Buch 2 bis 4 Zeit, eines dieser Dinge hinauszuschieben, während sie noch eben den Müll rausbringt und die Wohnung putzt!