Eigentlich wollte ich meinen ersten Artikel über Disney’s Die Schöne und das Biest schreiben. Aber auf 13th Street läuft gerade Stirb Langsam 3: Jetzt erst recht. Also gibt’s jetzt erst eine kurze Exkursion, warum dieser fast schon antike Actionfilm immer noch sehenswert und ein Vorbild in Sachen Dramaturgie ist: Genre-Mix!

Jippie yay yeah, Schweinebacke!

John McClane

 

Der Genre-Mix

Das erste Mal habe ich ihn ungefähr mit 13 gesehen und von da an fast im Wochentakt. Ja, wir hatten ihn auf Video (diese klobigen Kassetten, die man nach dem Schauen noch zurückspulen musste).

Jetzt, ungefähr 10 Jahre später und um einiges an Film- und DRAMATURGIA-Erfahrung reicher, ist der Film zwar nicht mehr so überragend, dass ich ihn mir 4x im Monat anschauen könnte, aber immer noch Wert genug darüber zu schreiben.

Die wichtigsten und unvergleichlichen Inhalte für mich: Samuel L. Jackson. Jeremy Irons. Und ein cooler, nicht aufdringlicher Mix aus Action, Komödie und Krimi.

Ja! Und nein. Seht selbst:

 

Und: Action!

Beginnen wir mit dem offensichtlichstem Genre: Action.

Natürlich haben wir einen der größten Action-Helden schlechthin in der Protagonisten-Rolle: Bruce Willis. Aber er kommt nicht allein, er hat seine Polizeimarke, ein gleichermaßen blut- und schweißgetränktes Unterhemd und einen mörderischen Kater.
Er ist so cool, dass er mit bloßen Händen an einem Stahlseil herunterrutscht und sich das Hirn eines anderen mit seinem eigenen Hemd vom Ohr wischt.

Dazu gibt es Schießereien und auch mal eine Explosion, auf jeden Fall aber ist es eine „ereignisreiche, dramatische Handlung mit viel Spannung“, wie Wikipedia es ausdrücken würde.

Das alleine macht aber noch keinen guten Film, wie uns James Bond: Ein Quantum Trost oder Shoot ‚Em Up zeigt.

 

Lachen, bitte!

Was haben wir also noch? Jeremy Irons. Ach nein, das ist kein Genre. Machen wir weiter. Komödie!
Die kommt vor allem durch die Charakter-Konstellation ins Spiel, besonders durch Samuel L. Jacksons Rolle des rassistischen schwarzen Kioskbesitzer Zeus.
Im Zusammenspiel mit dem notorisch abgefuckten Polizisten John McClane funktioniert das einfach super, sorgt über die gesamte Handlung hinweg für Erheiterung und lockert die angespannte Atmosphäre auf.

 

Sherlock Holmes der Name

Ist beides ganz nett, hält den Zuschauer aber nicht unbedingt an der Stange. Hier kommen die Krimi-Elemente ins Spiel.

Krimi? Vielleicht schauen wir erst einmal, worum es in einem Krimi geht – und lösen uns dabei von der Tatort-Masche.
Grundsätzlich folgt der Zuschauer/Leser einem Protagonisten dabei, einen Umstand aufzuklären und Antworten zu finden. Dabei soll in der Regel ein Verbrechen aufgeklärt oder (im besten Fall) vereitelt werden.

Was haben wir hier? Ein Polizist will einen vermeintlichen Irren daran hindern, die halbe Stadt in die Luft zu jagen. Gemeinsam mit einem Side Kick hangelt er sich dabei durch verschiedene Plot-Stationen und muss Rätsel lösen und Aufgaben meistern, um dem Übeltäter schließlich auf die Spur zu kommen.

Gerade diese kleinen Stationen, die im Film sehr schön über Simon Grubers (Jeremy Irons‘) Telefon-Spiele „Simon Says“ eingeführt werden, halten den Zuschauer bei der Stange und lassen ihn mitfiebern.

Ähnlich wie bei Dan Browns Büchern hat man sogar die Möglichkeit mitzurätseln. Und während man den Charakteren dabei zusieht, wie sie überlegen, scheitern und vorankommen, erlebt man ihre Menschlichkeit und Fehlbarkeit. Zwei sehr wichtige Eigenschaften von glaubhaften Charakteren (das werde ich noch sehr oft thematisieren!)

 

Auf dem Boden bleiben!

Der Plot und ihr Vorankommen entwickelt sich logisch und nachvollziehbar (außer die Sache mit der Bombe am Elefantenbrunnen. Die macht keinen Sinn).

Denn mal ehrlich – das Schlimmste, was man einem treuen Leser oder Zuschauer antun kann, ist ihn seiten- und stundenlang mit den plausibelsten Theorien und fiesesten Schurken mit Motiv zu konfrontieren, um auf den letzten fünf Seiten zu sagen: „Sorry Leute, es war übrigens der Gärtner. Aber danke für eure Zeit!“

Besonders schön ist es, wenn nicht nur Protagonisten, sondern auch Antagonisten menschlich sind und nachvollziehbare Motive haben. Jetzt kommt endlich Jeremy Irons ins Spiel, für mich ein grandioser Schauspieler (falls jemand den Film mal auf Englisch anschaut: Er spricht sogar mit deutschem Akzent). Abgesehen davon, dass es sich hier einfach um einen sexy Bösewicht handelt, ist er nicht abgehoben oder besonders blutrünstig, sondern jemand, der mit seiner Genialität das System aushebelt um sich selbst zu bereichern. In Sachen Goldraub kommt da nur Clive Owens Plan in Inside Man heran.

Frei nach John McClane: „Was ist besser als einen Haufen Gold in die Luft zu jagen? Die Leute glauben lassen man hätte es getan und sich mit dem Geld davon machen!“

In diesem Sinne – schaut euch den Film nochmal an. Schöne, seichte Unterhaltung für’s Abendprogramm.

 

Übrigens: Genau diesen Genre-Mix weisen auch Die Mumie (1) und Fluch der Karibik: Der Fluch der Black Pearl auf. Beide setzen auf eine unwiderstehliche, genau richtig akzentuierte Mischung aus Horror und Komödie. Denk mal drüber nach ;-)