Jeder Körper hat seine Grenzen. Und wenn man die überschreitet oder ignoriert, ist die Rache unerbittlich. Kürzlich habe ich meine Grenzen ignoriert und dabei ist mir aufgefallen, dass so manche Darstellung in Romanen und Filmen gar nicht so übertrieben ist – und wie hart unsere Helden in Mittelalter, Fantasy und Science Fiction eigentlich drauf sein müssen.

Dein Körper stirbt jetzt. Beachte es gar nicht. Das passiert uns allen.

Lestat, Interview mit einem Vampir

 

„Jetzt nicht! Ich habe zu tun.“

Stress macht krank. Mir war nie bewusst, wie viel an diesem Spruch dran ist, bis ich letzte Woche wirklich flach lag, nachdem ich 24 Tage ohne Pause, Wochenende und Feiertag gearbeitet hatte (nein, jetzt folgt keine „Mir-geht-es-so-schlecht“-Mitleidsnummer). War nicht so gesund, aber leider nötig – Selbstständige haben es halt manchmal schwer.

Und weil gleich zwei wichtige Projekte gerade in die heiße Phase gingen, konnte ich mir trotz erster Anzeichen (Konzentrationsprobleme, Kratzen im Hals, Stimmungsschwankungen) einfach keine Auszeit erlauben. „Entschuldigung, lieber Körper, ich weiß, es ist grad nicht alles grün zwischen uns beiden, aber ich habe gerade wirklich keine Zeit für dich!“

Meinem Körper war das wohl ziemlich egal, am nächsten Morgen hat er es mir mit einer sehr fiesen Erkältung gedankt, wie ich sie seit der Schulzeit nicht mehr hatte. Da hatte ich also den Salat.

Aber ich hatte meinen Körper ja vorgewarnt – keine Zeit! Also, alles eingeworfen, was irgendwie half, und auf zum nächsten ganztägigen Termin.

 

Es begann mit einem Kratzer …

Game of Thrones: Danaerys Targaryen und Khal Drogo. (c)2011 HBO (dramaturgia)

Und während meine Krankheit so dahin dümpelte und mein Körper geradezu nach dem freien Wochenende lechzte, das ich ihm aber einfach nicht gewähren konnte, weil auch hier Ganztags-Arbeit angesagt war, begann ich mich allmählich wie ein stählerner Held in einem Fantasy-Film (oder wahlweise Buch) zu fühlen.

Ich meine, die können ja auch nicht aus ihrer Haut raus. Wenn sie in Windeseile zu einem Ort reisen müssen, um jemanden zu warnen. Wenn sie sich in einer Schlacht auf Leben und Tod befinden. Wenn sie den Ring ins Feuer werfen müssen um die Welt zu retten. Wenn sie weit weg von Zuhause und einem sicheren Ort sind.

Was passiert denn, wenn sie dann krank werden oder sich eine Verletzung zuziehen? Wann haben wir das letzte Mal gelesen, dass sich ein Held dann einfach an Ort und Stelle hingelegt hat und die Verletzung oder Krankheit auskuriert hat? „Sorry, Leute. Film zu Ende, der Protagonist ist krank geworden. Fortsetzung folgt.“

Gibt’s nicht! Da wird in Godfrey von Ibelin (Kingdom of Heaven) Manier der aus der Seite ragende Pfeil abgebrochen und weitergekämpft. Da wird in Khal Drogo (Game of Thrones) Manier der Kratzer ignoriert und einfach weiter geritten. Da wird nicht an Morgen gedacht.

 

… und dann war er tot

In einigen fiktionalen Werken staunt man dann über die Zähigkeit so mancher Helden, die selbst mit zwanzig Pfeilen im Körper noch weiterkämpfen wie Boromir (Der Herr der Ringe), mit brennenden Kopfschmerzen und Schussverletzungen noch im Unterhemd böse Jungs jagen wie John McLane (Stirb Langsam) oder grundsätzlich mit weißer Weste aus Schießereien, Schlägereien und Explosionen rausgehen wie James Bond (vor Daniel Craig).

Aber manchmal wundert man sich auch, wie schnell es auf einmal bergab geht – und ehe man sich versieht, ist er tot. Godfrey von Ibelin schafft es gerade noch ins Heilige Land, Khal Drogo macht irgendwie gar nix mehr, Boromir sagt wenigstens noch angemessen Lebwohl.

Aber seit letzter Woche kann ich bestätigen: Wenn der Körper erstmal abgeschaltet hat, dann fährt er wirklich runter. Dann geht’s bergab, aber richtig.

Es begann mit einem Kratzen im Hals. Ein lästiges, kleines Detail.
[Insert Fülltext here. Trotzdem weitermachen. Höher, weiter, schneller.]
Und dann setzte das Fieber ein. Binnen achtundvierzig Stunden hatte sich sein Zustand so verschlechtert, dass er nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen konnte. Das Schlucken wurde zur Qual, jeder Atemzug schmerzte. Und zum ersten Mal kam ihm der Gedanke, dass diese Verletzung womöglich seine letzte gewesen sein könnte.

 

Und auf einmal finde ich Beschreibungen wie die Obige gar nicht mehr so abwegig. Es kann tatsächlich so gehen. Nicht immer, aber immer öfter.
Also ist es manchmal gar nicht schlimm, unsere Helden besonders leiden zu lassen.

 

Deswegen: Einfach mal ne Pause machen. Mit Pickup.
Oder auch ohne :)

Ein schönes Wochenende!