Ich habe kaum noch die Zeit dazu, um ausführliche Rezensionen oder Dramaturgia Checks zu schreiben. Trotzdem möchte ich dir natürlich Lese- bzw. Hör-Empfehlungen und zumindest meine kurze Einschätzung dazu geben. Deswegen werde ich ab jetzt quartalsweise meine gelesenen und gehörten Bücher kurz vorstellen. Los geht’s! (dieses Quartal kann man mit „Historische Romane“ betiteln).

Bücher sind Spiegel: Man sieht in ihnen nur das, was man schon in sich hat.

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

Ich nenne das hier zwar die Highlights aus dem Winter 2015, aber weil es der erste Post seiner Art ist und ich nicht weiß, zu welchen der Titel ich noch einen gesonderten Blogartikel verfassen werde, findest du hier auch alle anderen Bücher, die ich dir empfehlen möchte (sofern nicht schon in einem Dramaturgia Check verewigt). Hauptsächlich habe ich dieses Quartal Historische Romane gelesen.

 

1. Mein Highlight – Rebecca Gablé: JONAH 1-3

jonah_gable_sl300_-300x300Beginnen wir direkt mit dem Titel, der mich am meisten beeindruckt hat. JONAH ist die Hörspiel-Neuauflage von Audible des Romans „Der König der purpurnen Stadt“ von Rebecca Gablé, aufgeteilt in 3 Teile à ca. 10 Stunden. Ich hatte eine einstündige kostenlose Hörprobe, und die hat es mir schon so sehr angetan, dass ich mir sofort den ersten Teil (im Mobilnetz! Ich war nämlich unterwegs ^^) herunterladen musste.

Inhalt:

JONAH erzählt die Geschichte des jungen Kaufmanns-Lehrlings Jonah Durham im London des 14. Jahrhunderts, kurz, nachdem der junge König Edward III. den Thron bestiegen hat. Durch ein reiches Erbe steigt er rasch in der Tuchhändler-Gilde auf, was ihm eine Vielzahl an Feinden beschert, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Dabei kämpft er immer wieder auch gegen seinen eigenen Ehrgeiz und sein Ego.

Meinung:

Ich bin unglaublich begeistert von dem Hörspiel. Nicht nur, weil es wirklich gut gemacht ist und ich selten so sehr in eine Atmosphäre hineingesaugt wurde. Sondern auch von der Geschichte, weil Jonah eben kein perfekter Mensch ist und viele seiner Feindschaften wirklich selbst verschuldet. Trotzdem konnte ich mich durchweg mit ihm identifizieren.

Im Hörspiel wirken unter anderem mit: Timmo Niesner als Jonah (u.a. Synchronstimme von Elijah Wood und Agent McGee aus N:CIS), Norman Matt als König Edward (u.a. Synchronstimme von Cillian Murphy und Michael Fassbender sowie Agent Tony DiNozzo aus N:CIS – lustige Situation teilweise ^^), Ulrike Stürzbecher als Königin Philippa („Kate Winslet„) sowie Till Hagen („Kevin Spacey„) als antagonistischer Tuchhändler und Detlef Bierstedt (u.a. „George Clooney„) als Erzähler.

Das Buch:

JONAH von Rebecca Gablé ist eine Audible-exklusive Hörspielproduktion in 3 Teilen à ca. 10 Stunden. Insgesamt muss man also (im Abo) ca. 30 Euro dafür ausgeben, aber ich persönlich bin der Meinung, dass es sich für diese sprecherische, inhaltliche und organisatorische Leistung auf jeden Fall lohnt!

 

2. Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt

Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt (c) Bastei Lübbe.

Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt (c) Bastei Lübbe.

Nach diesem Glückserlebnis habe ich mich dann direkt über den nächsten Rebecca Gablé Roman hergemacht … Ja. Der liegt jetzt noch angelesen bei mir herum …

Inhalt:

Der Roman spielt im 10. Jahrhundert in Brandenburg, wo der slawische Fürstensohn Tugomir und seine Schwester von den brutalen Sachsen gefangen genommen werden. Wir folgen den beiden, wie sie versuchen, sich unter ihren verhassten Feinden ein neues Leben aufzubauen – Tugomir als Heiler wider Willen und seine Schwester als Geliebte Ottos I. (der Große).

Meinung:

Leider weiß ich nach gut 40% immer noch nicht so recht, worauf der Roman eigentlich hinaus will und warum ich das Ganze lese. Tugomir ist zwar mit seiner unangepassten (manchmal auch ziemlich leichtsinnigen) Sturheit inmitten seiner Feinde eine ganz spannende Persönlichkeit, und der naturnahe Glaube der Slawen ist sehr inspirierend – aber beides reicht nicht, um mich ohne ein klares Ziel vor Augen bei der Stange zu halten.

Das Buch:

Das Haupt der Welt von Rebecca Gablé erschien im Bastei Lübbe Verlag (824 Seiten) und bei Lübbe Audio (rd. 30 Stunden), gelesen ebenfalls von Detlef Bierstedt.

 

3. Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes (Fischer)

Auf das (Hör-)Buch bin ich eigentlich gestoßen, weil ich nach einer Überdosis Detlef Bierstedt mal wieder meinen Liebling Uve Teschner hören wollte. Er war auch einer der Gründe dafür, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe.

Inhalt:

„Der Schatten des Windes“ spielt im Barcelona kurz nach dem zweiten Weltkrieg, wo der junge Daniel Sempere von seinem Vater zum Friedhof der vergessenen Bücher geführt wird. Dort darf er sich ein Buch aussuchen, auf das er fortan besonders gut acht geben muss. Es stellt sich heraus, dass der verschollene Autor des Buchs stärker mit Daniels eigenem Leben verknüpft ist als gedacht. Daniel begibt sich auf die Suche nach ihm und erforscht immer tiefere Geheimnisse und Abgründe.

Meinung:

Der Roman war an sich sehr schön. Zafón hat einen sehr malerischen, schönen Schreibstil, der zuweilen ein wenig ausschweifend wird, aber grundsätzlich okay. Eigentlich gefiel mir auch diese mysteriöse Detektiv-Geschichte während der Suche nach dem verschollenen Autor, die in mir dieses unbeschreibliche Entdecker-Gefühl geweckt hat, das ich damals auch bei Stieg Larssons Verblendung hatte.

Trotzdem fand ich das Buch alles in allem nur mittelmäßig, was aber vermutlich mehr an mir als an dem Roman selbst liegt.

Das Buch:

Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón erschien im Fischer Verlag (565 Seiten) bzw. im Argon Hörverlag (rd. 17 Stunden), gelesen von Uve Teschner.

 

4. Umberto Eco: Der Name der Rose

Umberto Eco: Der Name der Rose (dtv)

Umberto Eco: Der Name der Rose (dtv)

Das Buch habe ich gehört, weil ich gerade nichts anderes hatte und dachte, ich betreibe einmal „Klassiker-SuB Abbau“.

Inhalt:

„Der Name der Rose“ ist im Prinzip ein Krimi im 14. Jahrhundert, in dem der kluge, weise Mönch William von Baskerville und sein Novize, aus dessen Sicht der Roman verfasst ist, in einem Kloster einen (und später folgende) Mord aufklären soll.

Meinung:

Dieser historische Krimi-Wälzer (688 Seiten) ist definitiv nicht unspannend und trotz einiger gedehnter Monologe und ausschweifender Beschreibungen lesenswert. Die Figur des William von Baskerville ist erfreulich vordenkend, sein Novize ein gelungener Erzähler. Die Geschichte türmt sich spannend immer höher auf und man kann auch live miträtseln.

Auf jeden Fall kann man mit dem Roman durchaus einen Uni-Grundkurs in Geschichte, Theologie, Latein und Kunstgeschichte überspringen!

Insgesamt war mir der Roman aber (insbesondere für heutige Verhältnisse) doch zu langatmig. Ein paar Raffungen hätten ihm sicherlich gut getan.

Das Buch:

Der Name der Rose von Umberto Eco erschien im dtv Verlag (688 Seiten) bzw. bei Der Hörverlag (rd. 26 Std.), gelesen von Gert Heidenreich.