Im letzten Quartal habe ich ein buntes Wirrwarr an Genres gelesen und gehört, darunter Tom Knox, Jojo Moyes, Kai Meyer – aber auch zeitgenössische Comedy Literatur wie „Der Hundertjährige, der …“ und „Mieses Karma“.

Was ich ihnen sagen will, ist, dass es da draußen eine ganze Welt zu entdecken gibt.

Will Traynor (Ein ganzes halbes Jahr)

Dieses Quartal war genre-mäßig ziemlich kunterbunt: Verschwörungs-Thriller, Liebesroman und Fantasy, aber auch Zeitgenössisches. Leider war für mich diesmal kein wirkliches Highlight dabei, deswegen sortiere ich die Bücher hier grob nach Gefallen. (Platz 1 und 2 sind gleich auf, aber „Ein ganzes halbes Jahr“ bekommt noch einen eigenen Beitrag.)

 

1. Tom Knox: Der Babylon Kult

Tom Knox: Der Babylon Kult (Atlantik Verlag)

Tom Knox: Der Babylon Kult (Atlantik Verlag)

Typischer Fall von: Wenn ich nicht weiß, was ich hören soll, höre ich Uve Teschner. Dazu noch Verschwörungs-Theorien und Templer, das klingt nach kurzweiliger Flughafenroman-Unterhaltung.

Inhalt:

„Der Babylon Kult“ spielt heute und geht der Frage nach, warum die Templer so gefürchtete Kämpfer waren, und ob nicht ein ganz spezielles Ritual sie so stark gemacht hat. Erzählt aus verschiedenen Perspektiven (à la Schätzings „Der Schwarm“) kommen Protagonisten und Leser dem Geheimnis immer näher, und damit immer tiefer in die Abgründe der peruanischen Opferkultur und südamerikanischen Mafia.

Meinung:

Das Buch war genau das, was ich von ihm erwartet habe: Ein solider Verschwörungs-Thriller mit einer interessanten Hypothese, die in einem spannenden Finale gipfelt. Die Figuren sind größtenteils gut gelungen und die Geschichte stets sehr plastisch erzählt – manchmal zu plastisch, aber das ist okay. Das Ende hat mich ein ganz winziges Bisschen enttäuscht, aber ich weiß auch nicht, wie man es hätte besser auflösen können. Insgesamt eine Empfehlung für alle Fans von Verschwörungs-Thrillern oder von Daniel Suarez.

Das Buch:

„Der Babylon Kult“ von Tom Knox erschien im Atlantik Verlag (432 Seiten) bzw. exklusiv bei Audible (ca. 12,5 Std.), gelesen von Uve Teschner.

 

2. Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Leben (Rowohlt)

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr (Rowohlt)

Bevor der Film in die Kinos kommt, musste ich mir dann doch mal den vielgeliebten SPIEGEL-Bestseller geben. Ein Roman über die Liebe und über das Leben, der einen zum Nachdenken bringt. Aber für mich kein romantischer Roman.

Inhalt:

Der Roman erzählt die kurze Geschichte der 26-jährigen, plan-, mittel- und arbeitslosen Louisa Clark und dem extrem gut situierten, aber querschnittsgelähmten Ex-Extremsportler Will Traynor. Louisa soll Will im Auftrag seiner Mutter exakt ein halbes Jahr lang Gesellschaft leisten, und ihre Liebesgeschichte, laut Klappentext „anders als alle anderen“, beginnt.

Meinung:

Das Buch startet eigentlich sehr gut, aus Wills Sicht, und lässt sich durchweg gut und leicht lesen. Schade finde ich es, dass wir danach nie mehr in Wills Kopf schauen können und stattdessen an Louisa gefesselt sind, mit der ich mich, so sehr ich mich bemüht habe, einfach nicht anfreunden konnte. Sie verhält sich eher wie 16 denn 26 und ihr gesamter Charakter wirkt extrem inkonsistent (mehr dazu in einem gesonderten Artikel).

Grundsätzlich zieht die Geschichte „Hässliches Entlein und gutaussehender, reicher Typ“ ja immer und gefällt mir auch ganz gut, zumal Wills Lähmung daraus eine erfrischend andere Geschichte macht als das, was man sonst erwarten würde. Auch das Ende gefällt mir gut und es ist sehr passend und die immer wieder aufkommenden Themen über Leben, Tod, Sinn und Endlichkeit haben mich immer wieder zum Nachdenken gebracht.

Trotzdem konnte mich der Roman nicht wirklich überzeugen. Hauptsächlich, weil mir von allen Seiten her eine wahnsinnig romantische, ja, beinahe kitschige Liebesgeschichte angepriesen wurde. Aber für mich ist der Roman nicht romantisch. Deswegen bin ich enttäuscht.

Aber ich freue mich doch irgendwie auf den Film, und sei es nur, weil Emilia Clarke und Sam Claflin im Trailer schon so etwas wie Romantik versprechen.

Das Buch:

„Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes erschien im Rowohlt Verlag (544 Seiten) bzw. im Argon Hörverlag (rd. 15 Std.), gelesen von Luise Helm.

 

3. Kai Meyer: Die Alchimistin

Kai Meyer: Die Alchimistin (Heyne)

Kai Meyer: Die Alchimistin (Heyne)

Das Buch flog schon lange bei mir herum, und nachdem ich von der Neuauflage gehört hatte, habe ich es endlich mal herangezogen – und festgestellt, dass sich mehr dahinter verbirgt, als der Klappentext vermuten lässt!

Inhalt:

„Die Alchimistin“ spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in unserer Welt, allerdings mit einem Hauch Fantasy. Quasi Historische Urban Fantasy: Aura Institoris ist die Tochter eines Alchemisten Nestor, dessen Gemahlin den Waisenjungen Christopher aufnimmt, kurz bevor der Auftragsmörder Gillian den Alchemisten tötet. Er soll auch Aura töten, verliebt sich jedoch in sie und die beiden geraten in einen ungeahnten, alten Krieg zwischen wetteifernden Alchemisten.

Meinung:

Man liest es schon: In diesem Roman geht es um Alchemie, wie sie im Buche steht – und natürlich um die immerwährende Suche nach dem Stein der Weisen. Für mich ein wahnsinnig spannendes Thema, deswegen habe ich den Roman, was das anging, auch sehr gerne gelesen. Besonders die vielen versteckten Details für aufmerksame Leser haben mich gefesselt, wie z.B. die Namen, die der verbissene Alchemist seinen Töchtern gibt: Aura (Gold) und Silvette (Silber).

Leider hege ich weder Sympathie für Aura noch für Christopher, und Gillians ursprüngliche Anziehungskraft verpufft, sobald sich herausstellt, wer bzw. was er ist. Auch hat mich die Liebesgeschichte zwischen Aura und Gillian gestört, die für mich wenig lieb- und leidenschaftslos und eher wie ein Mittel zum Zweck wirkte – was sich dann am Ende leider auch bestätigt hat.

Insgesamt eine großartige Idee zu einem wahnsinnig spannenden Thema, dessen viele kleine Einzelheiten richtig gut erdacht sind. Für mich hakt es einfach an den Figuren und deren Beziehungskonstellation. Wem das (und eine echte Liebesbeziehung) aber nicht so wichtig ist, dem empfehle ich das Buch definitiv!

Was mich angeht, so werde ich den zweiten Teil („Die Unsterbliche“), der hier auch noch liegt, wohl erstmal nicht lesen.

Das Buch:

„Die Alchimistin“ von Kai Meyer erschien im Heyne Verlag (512 Seiten) bzw. bei Random House Audio (16,5 Std.), gelesen von Philipp Schepmann.

 

4. David Safier: Mieses Karma

David Safier: Mieses Karma (Rowohlt)

David Safier: Mieses Karma (Rowohlt)

Zum Teil aus Neugierde auf dieses allseits gelobte Comedy Buch, zum Teil aus Recherche-Zwecken habe ich mir dieses Hörbuch zum halben Preis von Nana Spier und Christoph Maria Herbst vorlesen lassen. Fazit: Nett, aber weder mein Genre noch mein Geschmack.

Inhalt:

Die in ihrer Ehe gelangweilte, ihrer Tochter entfremdete, rücksichtslose und neidische Rabenmutter-Fernsehmoderatorin Kim Lange erhält endlich den deutschen Fernsehpreis – und wird dann von einem abstürzenden Satelliten erschlagen und stirbt. Im Jenseits teilt ihr Buddha mit, dass sie nicht genug gutes Karma gesammelt hat, um ins Nirvana (aka Himmel) zu kommen. Sie wird also wiedergeboren, um das Karma anzusammeln – und das, weil sie ein so besonders schlechter Mensch war, als Ameise. Ihr karmischer Kreislauf von Tod und Wiedergeburt entlang der Artenkette beginnt.

Meinung:

Vorweg: „Mieses Karma“ war kein schlechtes Buch. Aber mehr als mir ab und zu ein mattes Lächeln abzuringen, hat es auch nicht geschafft – vor allem gemessen daran, dass es so witzig sein soll. Ich fand es teilweise sogar ermüdend und habe schon die Wirbeltiere abgezählt, um abschätzen zu können, wie lange es noch dauert. Nett fand ich, dass sie auf ihrer Reise schon recht früh die Ameise Casanova trifft. Ja, den Casanova, der sich mit ihr gemeinsam „nach oben karmiert“, im Hörbuch vortrefflich gelesen von Christoph Maria Herbst.

Gegen Ende wurde es unerwartet schön. Trotzdem fand ich die finale Auflösung ziemlich unglaubwürdig und finde das Ende fast schon so zweideutig wie den Kreisel in Inception. Insgesamt ganz nett, aber mehr auch nicht.

Das Buch:

„Mieses Karma“ von David Safier erschien im Rowohlt Verlag (288 Seiten) bzw. im Argon Hörverlag (ca. 7 Std.), gelesen von Nana Spier und Christoph Maria Herbst.

 

5. Jonas Jonasson: Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (btb)

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (btb)

Teil 2 dieser „Hörbücher zum 1/2 Preis“ Aktion. Erneutes Fazit: Nicht mein Genre. Absolut nicht.

Inhalt:

Allan Karlsson begeht im Altenheim seinen 100. Geburtstag. Aber, weil er sich noch gar nicht so alt fühlt und keine Lust auf Presse und Gäste hat, verschwindet er einfach und schlägt sich ohne Geld, ohne alles, durch die Stadt. Das Ganze wird zu einem Road Trip mit einer schrulligen Gruppe und einem Elefanten, während dessen Allan seine beeindruckende Lebensgeschichte erzählt.

Meinung:

Ich kann verstehen, warum viele Leute das Buch mögen. Der Klappentext beschreibt es sehr gut:

Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.

Es war schon spannend, alle großen Ereignisse aus Allans Perspektive zu erleben. Der Roman, seine Figuren, Schreibweise und Inhalte sind leider nur absolut nicht mein Stil.

Das Buch:

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson erschien im btb Verlag (431 Seiten) bzw. im Der Hörverlag (rd. 13,5 Std. / gekürzt 7,5 Std.), gelesen von Peter Weis / Otto Sander.