Das Akronym des gleichnamigen Romans @E.R.O.S. von Greg Iles verspricht Erotik und Internet – und hält genau das. Und verdammt, wer ist dieser unglaubliche Sprecher Uve Teschner, und warum habe ich bisher nichts von ihm gehört?? Klares Must-Read. Oder besser: Must-Hear!

Die Fantasie des Mannes ist die beste Waffe der Frau.

Sophia Loren

 

Nach meiner atemlosen Lektüre der zwei Cyber-Thriller Daemon und Darknet von Daniel Súarez (Link zum Dramaturgia-Check) wurde mir von Audible @E.R.O.S. vorgeschlagen. Das eindeutig klingende Akronym und das Cover überzeugten, der Klappentext nicht so wirklich. Im zweiten Anlauf habe ich es dann doch gekauft und gehört – und es nicht im Geringsten bereut!

 

Klappentext

Greg Iles: @E.R.O.S. (c)1999 Bastei Lübbe / 2012 Audible (dramaturgia)

Greg Iles: @E.R.O.S. (c)1999 Bastei Lübbe / 2012 Audible (dramaturgia)

Tagsüber kauft Harper Cole von seiner abgelegenen Farm aus Waren via Internet. Nachts hingegen arbeitet er als System-Operator für den exklusiven E.R.O.S.-Online-Dienst, zu dessen Kunden sowohl Hollywood-Stars als auch New Yorker Intellektuelle zählen. Unter der Zusicherung absoluter Anonymität plaudern diese Online-Benutzer im Internet ihre geheimen Wünsche und Obsessionen aus. Als plötzlich sechs weibliche E.R.O.S.-Kunden jeden Kontakt abbrechen, ahnt Cole, daß irgend etwas nicht in Ordnung sein kann. Und als die sechs Frauen schließlich ermordet aufgefunden werden, steht Cole plötzlich ganz oben auf der Liste der Hauptverdächtigen …

 

Internet, Erotik und Serienmorde

Audible hat mir ein gutes Buch vorgeschlagen! Wer Daemon und Darknet mag, wird auch @E.R.O.S. mögen – auch, wenn der Klappentext ziemlich durchschnittlich klingt und das Buch mit 688 Seiten ein ganz schöner Schinken ist. Auch sollte man aus heutiger Sicht nicht alle Beschreibungen dieses „Internets“ zu ernst nehmen – dieses Buch ist immerhin 15 Jahre alt! Aber genug des Schlechten, kommen wir zum Guten:

Harper Cole, Aktienhändler und Administrator in einem exklusiven Erotik-Forum (ja, in den 90ern waren Foren und Chatrooms die sozialen Medien der Wahl), wirft bei seiner Entdeckung der Morde an E.R.O.S.-Abonnentinnen genau die richtige moralische Frage im Leser auf: Sollte man mit so einer Entdeckung zur Polizei gehen oder lässt man es lieber bleiben, um weder ins Visier des Serienkillers noch der Polizei zu geraten?

Überhaupt ist Coles Figur durch und durch nachvollziehbar, allerwelts-durchschnittlich und doch irgendwie catchy genug, um an ihm dran zu bleiben.

Das Buch ist durchweg spannend erzählt, wobei Greg Iles eine in meinen Augen hervorragende Gratwanderung zwischen detailgenauer Beschreibung und ausschweifendem Geschwafel vollführt: Viele Gedankengänge und Beobachtungen des persönlichen Erzählers hinter Harper Cole würden bei anderen Autoren und Lektoren gnadenlos dem „Überflüssig“-Rotstift zum Opfer fallen, aber gerade diese kleinen Einzelheiten sind es, die mich immer wieder denken lassen: „Ja! Genau so habe ich auch schon einmal in einer ähnlichen Situation gedacht!“

Das sagt zwar weder etwas über die Figur noch über ihre Motivation oder die Situation aus. Aber es ist irgendwie menschlich. Und dadurch authentisch. Manch einem mag das zu langatmig sein, wofür ich vollstes Verständnis habe, aber ich finde es super. In diesem Fall klare Empfehlung: Hörbuch hören!

Auch finde ich es stilistisch und spannungstechnisch klasse, dass immer wieder kleine Passagen aus der Ich-Perspektive geschrieben sind – und zwar, wie recht schnell klar wird, aus der Ich-Perspektive des Mörders!
In Briefen an seinen Vater erhaschen wir einen vagen Blick auf ihn, gerade genug, um ihn als Mörder zu identifizieren, aber nicht genug, um seine Person wirklich festnageln zu können. Gerade genug, um ihn menschlich zu finden, aber nicht genug, um Mitleid mit ihm zu haben. Für mich sehr gelungene Intermezzi!

 

Wow, Uve Teschner!

Mit Hörbüchern ist das ja immer so eine Sache. Man ist einfach davon abhängig, wie gut der Sprecher liest, wie er bestimmte Laute betont oder Worte ausspricht und ob man seine Stimmlage mag oder nicht.

Und ja, es gibt tatsächlich Hörbücher, die ich unbedingt hören/lesen will, es aber nicht ertrage, zuzuhören.

Ganz anders Uve Teschner. Wow, dieser Sprecher! Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber für mich ist Uve Teschner neben Matthias Lühn bisher DER Hörbuch-Sprecher!

Angenehm ruhig, tief und ganz leicht kratzig bis rauchig, mit einem angenehmen Sprechtempo und immer der perfekten Betonung. Ich kann nur sagen: WOW! Nicht nur eine Hör-Empfehlung, ein Hör-Muss!

Uve Teschner ist der erste Sprecher, der mich dazu gebracht hat, die nächsten Hörbücher nach dem Sprecher auszuwählen und nicht nach dem Autor oder dem Genre; einfach, weil ich ihm so gerne zuhöre. (Sei gespannt, welche Bücher er ebenfalls mit Bravur liest :) )

 

Fazit

@E.R.O.S. von Greg Iles, gelesen von Uve Teschner, ist ein absolut empfehlenswerter Roman, eine gelungene Mischung aus Internet, Erotik, Wirtschaft und Spannung, mit bodenständigen, authentischen Charakteren und einer spannenden Schreibe, gelesen von einem sehr talentierten Sprecher.

Mehr kann man dazu nicht sagen! Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

 

* * * * *

 

Das Buch

Der Thriller @E.R.O.S. von Greg Iles erschien in der Erstauflage 1999, aktuell in der Auflage von 2010, bei Bastei Lübbe.

Taschenbuch (688 Seiten)
ISBN-10: 3404142357
ISBN-13: 978-3404142354

Das Hörbuch (ungekürzt 21 Std. 42 Min.), gelesen von Uve Teschner gibt es exklusiv bei Audible.