Die Tore des Himmels von Sabine Weigand handelt von der historischen Heiligen Elisabeth von Thüringen. Nicht nur der Plot ist ein Wandeln im finsteren Tal. Warum? Lies selbst.

Brich mit deiner Leidenschaft, und du wirst gläubig.

Blaise Pascal  

 

Nach Tanja Kinkels Das Spiel der Nachtigall (Link zum Dramatrugia Check) war meine Lust auf Historische Romane wieder entfacht. Ich erinnerte mich, dass ich von vielen Seiten Empfehlungen zu Sabine Weigand erhalten hatte, deren Romane wie Das Perlenmedaillon oder Die Markgräfin meine Verwandtschaft sehr überzeugt hatten. Leider hatte Audible keines dieser Bücher (ungekürzt) im Angebot, also entschied ich mich für Die Tore des Himmels. Das kann ja auch nicht so schlecht sein … oder?

 

Klappentext

Sabine Weigand: Die Tore des Himmels (c)2012 Fischer Krüger Verlag (dramaturgia)

Sabine Weigand: Die Tore des Himmels (c)2012 Fischer Krüger Verlag (dramaturgia)

Regentin, Rebellin, Heilige: wer war Elisabeth von Thüringen wirklich? Sabine Weigands Roman um die berühmteste Frau des deutschen Mittelalters.

Seit ihrer Kindheit ist die junge Adlige Gisa die Vertraute von Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Sie weiß, wie zerrissen Elisabeth ist zwischen ihrer Liebe zum machtbewussten Landgrafen Ludwig und ihrer Suche nach einem gottgefälligen, einfachen Leben. Gisa erlebt, wie Elisabeth gegen den Hof aufbegehrt, welche Unruhe ihre Spenden, ihre Fürsorge für die Armen auslöst. Sie sieht auch, wie der jüngere Bruder des Landgrafen mit unzufriedenen Adligen paktiert und sie gegen den Stauferkaiser Friedrich II. aufbringen will. Gisas drückendstes Geheimnis dreht sich um die verbotenen Treffen einer Ketzersekte, die sie belauscht hat. Als Elisabeth 1226 dem fanatischen Inquisitor Konrad von Marburg begegnet und ihr Leben radikal strengsten Glaubensregeln unterwirft, gerät Gisas Welt völlig aus den Fugen. Wie weit kann sie Elisabeth zur Seite stehen, ohne selbst unterzugehen?

 

Glaube und Fanatismus

Um ehrlich zu sein: Ich bin ziemlich enttäuscht von dieser mir so wärmstens empfohlenen Autorin. Zwar mag Elisabeth von Thüringen eine historische (und wichtige) Figur sein, aber die Geschichte wirkt einfach so konstruiert, dass es keinen Spaß macht.

Schon recht früh drängte sich leise die Frage auf, wie man nur so religiös verbohrt, stur und dumm sein kann wie Elisabeth. Ich schob diesen nagenden Gedanken zunächst beiseite, aber irgendwann wurde er einfach übermächtig und überschattete alles andere. Ich musste unwillkürlich immer wieder an diese Hardcore-Veganer denken, die ständig versuchen aus allen einen besseren Menschen zu machen – unglücklicherweise im Falle Elisabeth gemischt mit der nervig-auslaugenden Art, sich selbst dauernd in die Opferrolle zu drängen und einem auch noch ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn man sich über sie und ihre Art aufregt.

Entschuldigung, aber für mich ist Elisabeth von Thüringen, die später sogar heilig gesprochen wurde, so, wie sie hier dargestellt wird, einfach nur ein dummes, reiches Kind, das leicht zu beeindrucken und noch leichter zu blenden und manipulieren ist. Es macht einfach keinen Spaß, ihr zu folgen.

 

Die Erzählperspektive macht’s

Einen Gutteil meiner Abneigung gegen dieses Buch macht sicherlich auch die Erzählperspektive aus: Sabine Weigand entschied sich dafür, der Protagonistin Elisabeth nicht personal zu folgen, sondern aus Sicht einer dritten Person: Der Kammerzofe Gisa. Gisa, ein recht kluges, aber eher unscheinbares Mädchen aus dem Kleinadel, kommt eher durch Zufall in die Gesellschaft Elisabeths, weil sie alle von deren Schwiegermutter am Hofe erzogen werden.

Leider ist Gisa eine ziemlich farblose Figur, die durch ihre Rolle als Erzählerin mehr Aufmerksamkeit erhält, als sie meiner Meinung nach verdient hätte. Ja, manchmal kann man sich gar nicht entscheiden, ob nun Gisa oder Elisabeth die Naivere der beiden ist.

Besonders stört mich an dieser Art der Erzählperspektive auch (es ist eine „Ich“-Perspektive von Gisa), dass sie in ihrer Funktion als Erzählerin gezwungenermaßen mehr wissen muss, als es eigentlich die Geschichte zum jeweiligen Zeitpunkt für die Figur zulässt. Sabine Weigand versucht das dann stets mit Phrasen zu retten wie:

Erst viel später sollte ich erfahren, dass …

Weil irgendwann wohl doch aufgefallen ist, dass das unbedarfte Freundinnen-Paar nicht wirklich für einen vollwertigen (historischen) Roman taugt, werden immer wieder eingeschobene Niederschriften (angeblich) authentischer Briefwechsel und Zeitgenossen-Meinungen (deren Authentizität ich weder belegen kann noch will und deshalb einfach als gegeben hinnehme) eingestreut.

Entschuldigung! Aber dann kann ich auch gleich einen personalen Er/Sie Erzähler wählen und mir das ganze „Hätte ich doch damals nur …“ und „Oh, wie dumm wir damals waren“ (Ja, das wart ihr wirklich!!) sparen!

 

Unterhaltung vs. Wissenskeule

Ein letzter Kritikpunkt, bevor ich zum Fazit komme: Die Geschichte wirkt wahnsinnig konstruiert. Oft hatte ich das Gefühl, die Szenen seien nur dazu da, um das schier unermessliche geschichtliche Wissen von Sabine Weigand darzulegen, jedoch in keinster Weise dafür vorgesehen, den Leser in eine andere Welt zu entführen oder gar zu unterhalten. Ganz anders als Sabine Ebert übrigens mit ihrer Hebammen-Reihe (Link zum Dramaturgia Check), oder auch (Achtung, harte Kost!) Astrid Fritzs Die Hexe von Freiburg, die es wunderbar schaffen, geschichtliches Wissen (Authentizitätswert s.o.) und Unterhaltung zu vereinbaren.

Während ich historischen Romanen im Allgemeinen sehr dankbar für die „spielerische“ Wissensvermittlung bin, fühlte ich mich hier oftmals unangenehm belehrt. Und ich will nicht belehrt werden.

 

Fazit

Alles in allem schneidet Die Tore des Himmels von Sabine Weigand bei mir sehr schlecht ab und ich glaube nicht, dass ich in nächster Zeit ein weiteres Buch von ihr lesen werde.

Kurz zum Hörbuch: Es wird gelesen von Dana Geissler, die ihre Sache zwar gut macht, mich aber nicht wirklich begeistern konnte. Vielleicht höre ich einfach nicht so gerne Frauenstimmen in Hörbüchern. Oder vielleicht war es auch nur der fahle Beigeschmack des Inhalts. Oder vielleicht alles zusammen ^^

So, ein langes Fazit, eine lange Rezension – aber das Buch ist auch schier unendlich mit 608 Seiten bzw. 23 Stunden Spielzeit bei mäßiger Unterhaltung!
(Dass ich dieses Buch zu Ende gebracht habe, ist nur der Tatsache zu verdanken, dass ich es als Hörbuch hatte und ich beim Putzen, Joggen oder Kochen sowieso nichts Besseres zu tun habe.)

Leider nur 1/5 Sternen. Schade.

 

* * * * *

 

Das Buch

Der Historische Roman Die Tore des Himmels von Sabine Weigand erschien 2012 (4. Auflage) im FISCHER Krüger Verlag (das Taschenbuch ganz neu im Juni 2014).

Taschenbuch (608 Seiten)
ISBN-10: 3596183448
ISBN-13: 978-3596183449

Das Hörbuch (ungekürzt 23 Std. 08 Min.), gelesen von Dana Geissler, erschien 2011 im Argon Hörverlag.