Kennst du das Genre „Pseudohistorischer Liebesroman“? Nein? Das Herz des Jägers (der Kelch von Anavrin 1) von Lara Adrian ist eines! Voller Klischee und Sex.

Tugend ist, was man mit Leidenschaft tut,
Laster ist, was man aus Leidenschaft nicht lassen kann.

Augustinus Aurelius

 

Klappentext

Lara Adrian: Das Herz des Jägers (Der Kelch von Anavrin 1). (c)2011 Egmont Lyx Verlag. (dramaturgia)

Lara Adrian: Das Herz des Jägers (Der Kelch von Anavrin 1). (c)2011 Egmont Lyx Verlag. (dramaturgia)

AUF DER JAGD NACH DEM MAGISCHEN KELCH.

Die junge Lady Ariana of Clairmont will ihren Bruder Kenrick befreien. Dieser wurde entführt, weil er nach dem mächtigen Drachenkelch suchte, der seinem Besitzer unvorstellbare Kräfte verleiht. Als Ariana auf ihrem Weg nach Frankreich in Lebensgefahr gerät, rettet ihr der verwegene Braedon le Chasseur das Leben und bietet ihr seine Hilfe an. Ariana ist fasziniert von dem düsteren, schweigsamen Ritter. Doch kann sie ihm wirklich trauen, oder trachtet auch er nur nach der Macht des Kelchs?

„Magisch und zauberhaft, ein Roman voll lodernder Leidenschaft“
Kinley McGregor

 

Inhalt

Um es vorweg zu nehmen: Die Geschichte ist leider ebenso vorhersehbar wie klischeehaft und bietet an keiner Stelle Überraschungen. Wer den Klappentext aufmerksam liest, weiß eigentlich schon alles oder kann sich den Rest denken:

Die junge, naive Adlige Ariana reist bei Wind und Wetter mit einem Leibwächter und einer wichtigen Tasche zum Hafen, um nach Frankreich überzusetzen und die Tasche an die Entführer ihres Bruders Kenrick zu übergeben, um ihn im Gegenzug freizubekommen.

Naiv nenne ich sie deshalb, weil sie sich bloß mit einem einzelnen Leibwächter zum Schutz als junge, schöne und adlige Frau in eine Hafenspelunke voller säbelzahniger Raubauken begibt (und sich nichts dabei denkt). Man kann sich ungefähr denken, was genau passiert:

Eine dieser zwielichtigen Gestalten in der Gaststätte ist der gefürchtete Braedon Le Chasseur (frz.: Der Jäger) (Ja, hier dürfen die ersten klugen Köpfe Rückschlüsse auf den Buchtitel ziehen). Und wie es ein einfallsloser Plot so will, drängen sich einige der Rüpel unserem jungen Frauchen auf, sodass der „düstere, schweigsame Ritter“ ihr (unfreiwillig – wie es sich für einen waschechten Anti-Helden gehört) zu Hilfe eilt und sie (unfreiwillig) bis zu ihrem Ziel begleitet.

Dieses Ziel ist – Buchtitel, märchenhafter Prolog der Entstehung und Klappentext lassen es vermuten – der Kelch von Anavrin – das heißt, ein Viertel davon, weil jener laut Prolog in vier Teile zerbarst und auf der Welt verstreut wurde.

Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass sich Mr. Schweigsam als Mr. Right für Lady Naivität herausstellt und die beiden eine ganz reizende Romanze auf ihrer Reise, Flucht und/oder Jagd (wie man es auch nennen mag) erleben.

 

Please more Klischee!

Ich weiß gar nicht, wo ich mit meiner Kritik anfangen soll. An dem Buch gab es nichts, das mich beeindruckt, gefesselt oder zufriedengestellt hat.

Es war einfach nur vorhersehbarer, aufgewärmter Kaffee. Kleines dummes Mädchen, großer starker Ritter – der das aber nicht zeigen darf und deswegen als grimmig und düster und ganz und gar nicht der Typ, mit dem man mitgehen sollte, eingeführt wird. Damit dieser fiese Kerl doch noch irgendwie zum Protagonisten werden kann, ohne seine finstere Maskerade aufzugeben, (obwohl innere Monologe durchaus den smarten und sympathischen Typ durchblitzen lassen), hat der natürlich einen Widersacher, einen früheren Freund, der noch fieser ist als er selbst – woraufhin unser Freund also wieder zum Protagonist wird. Wer bringt nur in letzter Zeit diese ganzen Antihelden wieder in Mode?

 

Please less Sex!

Erwähnte ich schon Sex? Wahnsinn, wie viel Sex dieses Buch beinhaltet! (Macht es aber leider nicht besser, eher im Gegenteil.)

Da musste wohl jemand seine tiefste Sehnsucht ausleben – ein großer starker Mann, düster für die Welt, öffnet sich nur für einen und trägt einen auf Händen – und hat dazu noch überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit ausgiebigen Sex mit vollem Programm. Und wenn ich sage, volles Programm, meine ich das auch. Ganz schön untypisch für Miss Naivität.

Dass die Jagd auf den Kelch, ganz zu schweigen von der permanenten Gefahr durch erbarmungslose Verfolger, die sich nach Belieben in wilde Bestien verwandeln können, dabei in den Hintergrund gerät, scheint den Leser viel mehr zu kümmern als die zwei Liebestollen selbst.

 

Please more Trolling …

Hm. Es tut mir fast schon leid, das sagen zu müssen, aber ich konnte einfach so gar nichts Gutes an dem Buch finden. Ich bin ziemlich enttäuscht von dem Buch, aber auch vom Fantasy-Genre im Allgemeinen. (vergleiche auch mein Buchhandlungs-Dilemma hier.)

Gibt es denn überhaupt keine intelligenten, NEUEN Fantasy-Geschichten mehr? Man muss das Rad nicht neu erfinden, und wie gesagt, ein bisschen Klischee ist gut. Aber man muss doch nicht immer und immer wieder dieselbe alte Geschichte erzählen. Oder?

Ich habe das Buch gekauft, weil ich mal wieder Fantasy lesen (hören) wollte und weil Uve Teschner das Hörbuch spricht – obwohl ich bedauernd sagen muss, dass auch er diesmal nicht so ganz auf der Höhe war. Trotzdem überdurchschnittlich, aber auch er kann das Buch nicht retten.

Ich empfehle jedem, der an dem Buch interessiert ist, den Prolog zu lesen. Wem der zu sehr nach „klischeehaftem Fantasy-Blubb“ klingt, dem rate ich vom Kauf ab.

 

Fazit

*seufz* Leider boring. Alles schon da gewesen. Aufgewärmter Kaffee. Und zu viel Sex!
Das Ende hält leider auch keine Überraschungen bereit, eher im Gegenteil: Meine Befürchtung hat sich bestätigt. Sie haben Teil 1 von 4 des „Kelchs von Anavrin“ gefunden. Also nochmal 3 Bücher? Ohne mich, Freunde.

Leider nur 1 Stern von mir.

* * * * *

 

Das Buch

Der Fantasy-Roman Der Kelch von Anavrin 1. Das Herz des Jägers von Lara Adrian (als Tina St. John) erschien 2011 im LyxVerlag.

Taschenbuch (400 Seiten)
ISBN-10: 3802585194
ISBN-13: 978-3802585197

Das Hörbuch (ungekürzt 11 Std. 45 Min.), gelesen von Uve Teschner, erschien 2012 exklusiv bei Audible.