Die Schöne und das Biest ist mein absoluter Disney Favorit. Warum? Weil hier einfach alles stimmt, vom verzauberten Setting über die Liebesgeschichte bis hin zu den Figuren – die man übrigens wunderbar anhand dieses Films erklären kann.

Here’s where she meets Prince Charming. But she won’t discover that it’s him ‘til Chapter 3

Belle

 

So, jetzt kommt mein versprochener Artikel zu Disney’s Die Schöne und das Biest. Einer meiner all-time Favourites. Warum?
Wegen der herzerwärmenden Mischung aus romantischem Märchen, Gruselgeschichte, Eifersuchtsdrama und dem unverwechselbaren Charme von Disney’s (alten!) Meisterwerken.

Anhand des Films zeige ich Charaktere und ihre Entwicklungen.

 

Die Schöne und das Biest

Die Charakterkonstellationen sind schnell erklärt:

Protagonistin ist die zwar bildhübsche, aber in den Augen der Dorfbewohner etwas eigenartige Tochter Belle (dt. „Die Schöne“) des noch eigenartigeren Erfinders Maurice.

Antagonist ist der ebenso stattliche wie eingebildete Beau Gaston.
Oder ist es doch eher das Biest (bzw. der selbstsüchtige Prinz, den Disney selbst „Adam“ nennt)?

Dann haben wir natürlich noch die liebenswürdigen und amüsanten Nebenrollen (sog. Side Kicks) auf beiden Seiten: Gastons etwas tölpelhaftes Anhängsel Le Fou (dt.: Der Verrückte) sowie die verwunschenen Schlossbewohner, allen voran der Diener/Kerzenleuchter Lumière (dt.:Das Licht) sowie der Haushofmeister/Standuhr Monsieur von Unruh.

Nicht zu vernachlässigen ist auch Belles Vater, der Erfinder Maurice, der nämlich viele Etappen der Geschichte erst auslöst.

 

Die Geschichte ist ebenso schnell zusammen gefasst: Tale as old as time. Eine junge Frau (Belle) gerät auf der Suche nach ihrem Vater in ein verzaubertes Schloss, das so lange verflucht bleibt, bis die Liebe eines Mädchens den selbstsüchtigen Herrscher („Biest“ Adam) von seinem Fluch befreien würde.

Nach viel Hin und Her, Verletzen und Verzeihen und einer großen Schlacht mit kochendem Tee, brennenden Fackeln und fliegendem Besteck bei Blitz und Donner entdecken der monströse Hausherr und die junge Frau ihre Liebe zueinander und das Schloss wird von dem Fluch befreit.

Ihr seht schon, es ist nicht die Geschichte, die diesen Film so großartig macht, denn die klingt eher nach schmalzigem 50er-Streifen.

 

Von Monstern und Männern

Kommen wir zu den interessanten Aspekten der Geschichte, die natürlich, wie könnte es anders sein, durch die Eigenschaften der Charaktere und ihr Zusammenspiel zustande kommen.

Wie die Unterüberschrift schon sagt, spielt die Geschichte mit den klassischen Stereotypen. Wer ist das Biest und wer ist der Held?

Walt Disney: Gaston (Die Schöne und das Biest). (c)1991 Walt Disney Studios. No Copyright Infringement Intended.

Walt Disney: Gaston (Die Schöne und das Biest). (c)1991 Walt Disney Studios. No Copyright Infringement Intended.

Schauen wir uns zunächst Gaston an, den gutaussehenden, muskulösen, eingebildeten Gaston. Er ist der Antagonist, klar. Aber er wird nicht als Antagonist eingeführt, ganz im Gegenteil sogar als potenzieller Liebespartner für Belle, dessen Stärke und Anbetungswürdigkeit in der ersten Szene durch seine erfolgreiche Entenjagd und seine drei blonden Groupies gezeigt wird.

Anders als bis dato alle anderen Disney-Antagonisten ist Gaston weder hässlich noch besonders blutrünstig und auch nicht (!) von grundauf böse.

Er wird erst dadurch zum Antagonisten, dass er Belles persönlichen Vorlieben und Entscheidungen gegenüber so konträr handelt (ihren Vater einsperren will, gegen das Biest in den Krieg zieht, usw.)

 

Walt Disney: Biest (Die Schöne und das Biest). (c)1991 Walt Disney Studios. No Copyright Infringement Intended.

Walt Disney: Biest (Die Schöne und das Biest). (c)1991 Walt Disney Studios. No Copyright Infringement Intended.

Ganz anders das Biest: Im Prolog wird uns Adam, der selbstsüchtige Prinz, als willkürlich, egoistisch und herzlos präsentiert. Alle seine Untertanen fürchten sich vor ihm und sein Schloss wirkt alles andere als einladend. Und auch, als Belle ihn kennen lernt, erscheint er finster und hält sowohl ihren Vater als auch sie gegen ihren Willen in seinem Schloss fest.

Trotzdem wird unser Biest im Verlauf der Handlung zum Love Interest von Belle und damit zum zweiten Protagonisten: Als er seine Gefühle für Belle entdeckt, lernen wir eine gleichermaßen komische wie tragische Facette seines Lebens kennen, in der das Biest zum Beispiel versucht, Vögel zu füttern oder mit Messer und Gabel zu essen.

 

Der Film spielt mit den Rollen, vertauscht sie hin und wieder und gibt den Charakteren mehr Tiefe und Facetten, wodurch sie glaubhafter erscheinen. Niemand ist nur der perfekte Jäger und niemand nur der gefühlskalte Herrscher.

Und so erscheint das Biest immer menschlicher, während Gaston immer mehr zum Monster wird.

 

Märchen schreibt die Zeit

Dramaturgisch hervorragend und sehr befriedigend ist auch, dass sich die Geschichte logisch entwickelt und die Motivation der Charaktere klar erkennbar ist und zu ihren Handlungen führt.
Wenn man in dieser Logik bleibt, kann man selbst die banalste Geschichte (ein Teenager verliebt sich in einen Vampir, der in der Sonne glitzert) spannend und vor allem authentisch gestalten [authentisch innerhalb der im Werk porträtierten Umgebung].

 

Einige Beispiele:

Aufgabe: Belle muss das Biest kennen lernen.

Problem: Das beschämte Biest verlässt sein Schloss nicht, Belle möchte zwar gerne die Welt erkunden, wird ihren Vater aber nicht von sich aus verlassen.

Lösung: Belles Vater Maurice wird als Katalysator eingesetzt. Mit seiner neuesten Erfindung reitet er zum Markt der nächsten Stadt. Auf dem Weg verirrt er sich in das verwunschene Schloss und wird vom Biest gefangen genommen. Das Pferd Philippe flieht zurück zu Belle, worauf hin sich diese von dem Tier zu ihrem Vater führen lässt.

 

Aufgabe: Belle und das Biest müssen sich näher kommen.

Problem: Das Biest ist ungeduldig, maßlos und ungezügelt. Belle ist starrköpfig.

Lösung: Belles Neugier wird ausgenutzt (katalysiert durch Lumière und Von Unruh, die sich mit dem verbotenen Westflügel verplappern), sie betritt das Heiligtum des Biests, er erwischt sie und jagt sie davon. Im Wald wird sie von Wölfen angegriffen, das Biest eilt ihr zu Hilfe, sie pflegt es gesund. Er macht ihr seine Bibliothek zum Geschenk.

 

Aufgabe: Belle muss ihre Liebe zu dem Biest entdecken und eingestehen.

Problem: „Wer könnte es je über sich bringen, ein Biest zu lieben?“ (Erzähler). Es ist zugegebenermaßen ein wenig schwierig, einem Biest ins Gesicht zu sehen und „Ich liebe dich“ zu sagen.

Lösung: Hier spielen zwei Aspekte hinein:
Erstens wird sie mit Gaston konfrontiert (dazu muss sie sich erst nach ihrem Vater sehnen und dann vom mittlerweile liebenden Biest freigelassen werden, um ihn nach Hause zu bringen), und erkennt, welche Alternativen es zum Biest gäbe. (Sie entschließt sich, zum Biest zurückzukehren).
Zweitens wird das Biest von Gaston im Kampf tödlich verwundet; es stirbt in Belles Armen. Und frei nach der Weisheit „You don’t know what you’ve got until it’s gone“ kann sie jetzt ihre Liebe eingestehen. Angesichts eines leblosen Biests fällt das auch wirklich um einiges leichter.

Glücklicherweise impliziert der Fluch der Hexe nicht, dass das Biest zum Zeitpunkt der Liebeserklärung leben muss, und so wird er durch den gebrochenen Bann wieder zum Leben erweckt und erhält mitsamt Schloss und Bewohnern sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurück.

 

Happy ever after

Die Schöne und das Biest wird immer einer meiner All-Time Favourites bleiben. Die Geschichte ist im Vergleich zu einigen anderen Klassikern des Hauses sehr erwachsen, gleichzeitig romantisch und traurig, gleichzeitig lustig und ernst.

Disney weiß, wie man Filme macht. Zumindest, als noch Größen wie John Musker, Howard Ashman und Ron Clements daran beteiligt waren.