Weil ich gerade kein anderes Buch beendet habe, grabe ich Iny Lorentz‘ Die Wanderhure wieder aus – ein für mich sehr inspirierendes und prägendes Buch für das Genre Historische Romane. Wenn auch ein wenig klischeehaft und einschichtig. Aber bloß nicht die Sat.1 Verfilmung mit Alexandra Neldel anschauen!

Mit der Wahrheit ist es wie mit einer Hure – Jeder kennt sie, aber es ist peinlich ihr auf der Straße zu begegnen.

(Sprichwort)

 

Klappentext

Iny Lorentz: Die Wanderhure. (c)2005 Droemer Knaur Verlag. (dramaturgia)

Iny Lorentz: Die Wanderhure. (c)2005 Droemer Knaur Verlag. (dramaturgia)

Die grausame Welt des Mittelalters und der Kampf einer Frau um ihr persönliches Glück. Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr  Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zur Stadt hinaus treibt. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf …

 

Die Mutter aller Historischen Romane

Ich bekenne mich schuldig: Die Wanderhure war mein erster Historischer Roman und hat auch maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses  heute mein Lieblingsgenre ist. Mittelalterliche Gepflogenheiten, ländliche Kulissen, einfache Menschen … in Mittelalterromanen (bis maximal zur Rennaissance) wirkt alles irgendwie entschleunigt. Back to the Roots. Die Heilkraft von Pflanzen nutzen, Kleidung noch nähen statt von der Stange kaufen. Sich einfach mal auf eine Bank setzen und dem Vogelgezwitscher zuhören.

Okay, okay, ich übertreibe ein wenig. Und ich glaube, ich würde es keine zwei Tage in „der dunklen Epoche“ aushalten, wenn es Zeitreisen gäbe. Aber ich kann mich der Faszination dieser Zeit einfach nicht entziehen. Iny Lorentz‘ Die Wanderhure hat alles, was ein guter Mittelalterroman braucht. (Für alle Kritiker unter euch: Ja, jetzt folgt sehr viel Schwarz-Weiß-Malerei, Schubladendenken und Klischee-sierung (Neologismus ftw ;) ) Aber genau deswegen sehen wir ja auch Spielfilme statt Dokumentationen oder lesen Belletristik statt Sachbücher.

Dreckige Städte, zwielichtige Gestalten der Unterschicht, Hoffnung am Ende des Horizonts. Ungerechtigkeit und Genugtuung halten sich hier sehr schön die Waage (anders als bei Game of Thrones, aber darüber will ich mich ein anderes Mal beschweren ;) ). Ebenso sexuelle Gewalt (auch wenn die in der Tat teilweise ein wenig grenzwertig ist) und Freundschaft, Liebe und Hoffnung.

 

Kennste einen, kennste alle!

Wirklich, das Buch ist lesenswert. Besonders für alle, die Historische Romane mögen, die sich mit Historischen Romanen anfreunden wollen, die das Subgenre „Starke Frauen“ mögen oder die einfach gerne „Mittelalterliches“ lesen.

Allerdings – im Vorfeld wurde ich gewarnt: „Ah, Iny Lorentz! Kennste einen, kennste alle!“
Und so war es auch. Ich wollte es zuerst nicht glauben und habe mir auch Die Tochter der Wanderhure gekauft – das liegt bis heute unausgelesen im Bücherschrank. Es ist einfach immer dasselbe. Und einmal liest man das gerne, aber dasselbe in anderem Gewand mit anderen Namen – das ist ja, als würde man ein Plagiat seiner eigenen Arbeit anfertigen.

Außerdem muss ich vor der Sat.1 Fernsehverfilmung mit Alexandra Neldel warnen. Wie es eine deutsche Fernsehproduktion nicht anders erwarten lässt, bleibt der Film nicht nur weit hinter den Möglichkeiten des Buchs zurück, sondern auch weit hinter den Qualitäten eines guten Spielfilms.

Ich sage nur: Ein Burghof – und mag er noch so authentisch nachgebildet und eingerichtet sein – bleibt nun einmal unglaubwürdig, wenn darauf ganze 5 Männlein (und Weiblein) miteinander sprechen. Wachmannschaft und Gesinde gerade auf Urlaub, oder was?

Memo an mich selbst: Sollte mein Manuskript irgendwann verlegt werden, nicht die Filmrechte an einen deutschen TV-Sender abtreten.

 

Fazit

Die Wanderhure ist ein überdurchschnittlich guter Historischer Roman des Subgenres „Starke Frauen“. Zwar gefällt mir die Hebammen-Reihe von Sabine Ebert besser, aber dieses Buch gehört definitiv zu denen, die mich sehr inspiriert und geprägt haben.

Einmal sollte man es schon gelesen haben, aber weitere Iny Lorentz Bücher lohnen sich ebenso wenig wie die deutsche TV-Verfilmung.

 

Das Buch

Die Wanderhure von Iny Lorentz ist im Droemer Knaur Verlag erschienen. Übrigens bildet es den Auftakt der gleichnamigen Serie um die Bürgerstochter Marie.

ISBN-10: 3426629348
ISBN-13: 978-3426629345

 

Die Buchreihe:

Die Wanderhure (gleichnamig verfilmt)
Die Kastellanin (verfilmt als Die Rache der Wanderhure)
Das Vermächtnis der Wanderhure (gleichnamig verfilmt)
Die Tochter der Wanderhure
Töchter der Sünde

Ich habe die Taschenbuch-Version gelesen, mit 607 Seiten.