Dan Browns Inferno ist in aller Munde, und die meisten scheinen ihn nicht allzu gut zu finden. Ich habe es jetzt endlich auch beendet (aus Ermangelung an Zeit allerdings das – ungekürzte – Hörbuch) und finde: Als waschechter Dan Brown ein überdurchschnittlich guter Roman, für einen Dan Brown allerdings eher mittelmäßig.

Die tiefsten Orte der Hölle sind reserviert für jene, die in Zeiten moralischer Krisen nicht Partei ergreifen

(Dante Alighieri / Bertrand Zobrist, Inferno)

 

Klappentext

Dan Brown: Inferno. (c)2013 Bastei Lübbe. (dramaturgia)

Dan Brown: Inferno. (c)2013 Bastei Lübbe. (dramaturgia)

Mein Geschenk ist die Zukunft. Mein Geschenk ist die Erlösung. Mein Geschenk ist – Inferno.

Robert Langdon ist zurück – und der Held aus Dan Browns Weltbestsellern ILLUMINATI, SAKRILEG und DAS VERLORENE SYMBOL hat sein wohl größtes Abenteuer zu bestehen. Dante Alighieris „Inferno“, Teil seiner „Göttlichen Komödie“, gehört zu den geheimnisvollsten Schriften der Weltliteratur. Ein Text, der vielen Lesern noch heute Rätsel aufgibt.

Um dieses Mysterium weiß auch Robert Langdon, der Symbolforscher aus Harvard. Doch niemals hätte er geahnt, was in diesem siebenhundert Jahre alten Text schlummert. Gemeinsam mit der Ärztin Sienna Brooks macht sich Robert Langdon daran, das geheimnisvolle „Inferno“ zu entschlüsseln. Aber schon  bald muss er feststellen, dass die junge Frau ebenso viele Rätsel birgt wie Dantes Meisterwerk. Und erst auf seiner Jagd durch halb Europa, verfolgt von finsteren Mächten und skrupellosen Gegnern, wird ihm klar: Dantes Werk ist keine Fiktion. Es ist eine Prophezeiung. Eine Prophezeiung, die uns alle betrifft. Die alles verändern kann. Die Leben bringt. Oder den Tod.

 

Kunsthistorisches Infotainment

Ich mochte Dan Brown, seit ich Sakrileg (The Da Vinci Code) gelesen habe – eine Verschwörung über den Beginn unserer Weltreligion, die ihresgleichen sucht. Uralte Geheimbünde, edle Bruderschaften, wohlgehütete Geheimnisse. Klasse!
Illuminati (Angels and Demons) war ein ebenbürtiger Roman, Das Verlorene Symbol war eher „Geht so“.

Ich mag die Kombination aus Unterhaltung und kultureller Bildung der Bücher, wenngleich einige Verschwörungstheorien nicht allzu ernst genommen werden sollten. Aber wer kunsthistorisch interessiert ist, wer Indiana Jones und Das Vermächtnis der Tempelritter mag, wer gerne auf Abenteuerjagd nach verlorenen Schätzen geht, für den ist Dan Brown – speziell die vier Langdon Bücher – genau das Richtige.

Hier taucht man in eine spannende Handlung ein und kann nebenbei sein Wissen über große Kunstwerke, geschichtsträchtige Ereignisse und historische Bauwerke erweitern bzw. auffrischen.

 

Dan Brown as Dan Brown can be

Inferno erfüllt als vierter Robert Langdon Teil (nach Illuminati, Sakrileg und Das verlorene Symbol) alle Anforderungen, die ich an einen Dan Brown stelle: Eine spannende, semi-verschwörerische Geschichte, ein alles wissender Professor des eigens erfundenen Fachs Symbologie mit einer schönen Frau an seiner Seite, und ein Ausflug in irgendeine historisch bedeutsame Stadt.

Ich muss gestehen, dieses Mal war die architektonische Beschreibung von Florenz schon ein bisschen ausladend, das Buch würde schon zum Stadtführer taugen. Aber das war nicht so schlimm, zumindest kam es mir nicht so ermüdend vor wie die ganzen Spitzbögen und Querschiffe in Ken Folletts Die Säulen der Erde.

Von daher: Ich habe einen Dan Brown erwartet, ich habe einen Dan Brown bekommen. Mission Accomplished.

 

Von der Verschwörungstheorie zum Weltuntergangsszenario

Allerdings finde ich, dass Dan Brown sich dieses Mal selbst ein wenig ins Knie schießt. Seine bisherigen Bücher haben innerhalb eines definierten Mikrokosmos eine Verschwörungstheorie etabliert, die man als Leser am Ende entweder glauben oder nicht glauben konnte – ganz, wie man wollte.

In Inferno wird man allerdings erstmals mit einer (suggeriert) globalen Auswirkung konfrontiert, bei der man sich nicht entscheiden kann, sie zu glauben oder nicht zu glauben – weil man weiß, dass sie nicht real ist. Das ist schade und hat mich gegen Ende sehr rausgeworfen.

Aber ansonsten kann ich kaum etwas Negatives über dieses Buch sagen – außer vielleicht, dass die gebundene Version wie immer viel zu teuer ist und das Taschenbuch wie immer erst Monate später rauskommt. Ich muss gestehen, ich kann auch nicht allzu überschwänglich loben, denn dazu hat es meine Erwartungen zu wenig übertroffen.

 

Indiana Jones ist nicht Robert Langdon

Aus diesem Grund, und weil ich begeisterter Audible Monatsabonnent bin, habe ich mir die Hörbuch Version zugelegt, gesprochen von Wolfgang Pampel, der auch Harrison Ford (Indiana Jones) spricht.

Und dabei muss ich feststellen: Indiana Jones und Robert Langdon passen nicht zusammen. Wolfgang Pampel ist in meinen Augen nicht der richtige Sprecher für Dan Browns Bücher (obwohl offensichtlich schon mehrfach eingesetzt). Ich kann nicht genau sagen, warum, aber auch Zufalls-Beifahrer-Mithörer bestätigen, dass es irgendwie befremdlich ist ihm zuzuhören.

 

Fazit

So einen Hype, wie die Welt und die Spiegel Bestseller Liste darum macht, ist Dan Browns Inferno nicht, aber es ist ein solider Dan Brown, der sich lohnt gelesen – jedoch nicht gehört – zu werden. Besser als das letzte Buch Das verlorene Symbol, an das ich mich kaum noch erinnern kann, aber bei weitem nicht so gut wie Illuminati oder, mein persönlicher Favorit, Sakrileg.

 

Das Buch

Inferno von Dan Brown ist im Bastei Lübbe Verlag (bzw. Bastei Lübbe Audio) erschienen.

Ich habe das Hörbuch in der ungekürzten Form von Audible gehört, gelesen von Wolfgang Pampel.
Das Buch hat 688 Seiten, bzw. das ungekürzte Hörbuch eine Laufzeit von 16 Std. 51 Min.

ISBN-10: 3785724802
ISBN-13: 978-3785724804