In der Fantasy-Abteilung der Mayerschen kann man sich schon ein wenig verloren vorkommen. Ich habe mich für meinen seit Langem überfälligen Fantasy-Neuanfang für Richard Schwartz entschieden. Fazit: Gelungenes Fantasy meets Sin City, Ende durchwachsen.

Die Nacht ist teuflisch heiß. Ein lausiges Zimmer in einem lausigen Teil einer lausigen Stadt. Vor mir eine Göttin. Sie sagt, ihr Name ist Goldie.

Marv, Sin City

 

Klappentext

Richard Schwarz: Das erste Horn (Das Geheimnis von Askir 1). (c)2011 Piper Verlag (dramaturgia)

Richard Schwarz: Das erste Horn (Das Geheimnis von Askir 1). (c)2011 Piper Verlag (dramaturgia)

Ein fesseldes Fantasy-Abenteuer im ewigen Eis

Ein verschneiter Gasthof im hohen Norden. Havald, ein Krieger aus dem Reich Letasan, kehrt in dem abgeschiedenen Wirtshaus „Zum Hammerkopf“ ein. Auch die undurchsichtige Magierin Leandra verschlägt es hierher. Die beiden ahnen nicht, dass sich unter dem Gasthof uralte Kraftlinien kreuzen. Als der eisige Winter das Gebäude vollständig von der Außenwelt abschneidet, bricht Entsetzen aus: Ein Blutiger mord deutet darauf hin, dass im Verborgenen eine Bestie lauert. Doch wem können Havald und Leandra trauen? Die Spuren führen in das sagenhafte, untergegangene Reich Askir …

 

Fantasy meets Sin City

Bereits die ersten Sätze dieses in der ersten Person geschriebenen Fantasy-Romans erinnern unheimlich stark an die oben im Zitat verwendeten Voice-Overs aus Sin City. Ich kann förmlich hören, wie Bruce Willis‚ einsame, Mickey Rourkes verbitterte oder Josh Hartnett’s wehmütige Stimme die Zeilen spricht, die Richard Schwartz dem Protagonisten Havald in den Monolog-Mund legt – und cool sind sie alle.

Und während ich mich durch die ersten Seiten lese und fasziniert entscheide, ob mir dieser eigentümliche alte Kauz gefällt oder  nicht, weiß ich eines ganz sicher: Das hier ist definitiv eine andere, eine erfrischend andere Art von Fantasy Roman. Voll des trockenen Humors, aber nicht verquer wie Terry Pratchett. Voll eigentümlicher, finsterer Kerle, aber nicht so sexistisch wie Andrzej Sapkowski.

Das erste Horn ist ein erwachsener Fantasy-Roman mit erwachsenen Figuren. Es wird deutlich, dass hier keine Young Adults beeindruckt werden müssen. Es wird keine Zeit mit blumigen Beschreibungen verschwendet, allerdings kommen leider auch Plot und Figuren dabei etwas zu kurz.

 

Ein Krimi im Schneesturm

Der Klappentext deutet es an, Das erste Horn hat starke Krimi-Elemente. Wie das mit Fantasy zusammenpasst? Ganz gut eigentlich. Und dann wiederum so gar nicht.
Die ersten beiden Akte drehen sich fast ausschließlich um die Frage: „Wer war es?“, aber wir bekommen so wenige Informationen und alle Figuren sind irgendwie gleich schwammig und undurchsichtig, dass wir uns schon darauf gefasst machen, dass es am Ende der Gärtner war.

Ganz so schlimm wird es dann doch nicht, aber für den Teil, den dieser Handlungsstrang einnimmt, bleibt mir die Lösung zu schwach. Auch, weil man eigentlich ausreichend Zeit hätte, alle Verdächtigen hinreichend kennen zu lernen – immerhin sitzen Havald und Leandra mehrere Tage in einem einzigen Schankraum mit zwanzig anderen zusammen und ein Schneesturm blockiert die Tür bis oben hin, sodass niemand raus und niemand rein kann.

Der einzige Schluss, zu dem wir während des recht oberflächlichen Katz-und-Maus-Spiels kommen: Der, der es so zwingend sein müsste, ist es natürlich nicht.

 

3. Akt: Pen & Paper

Irgendwann, die Morde sind immer noch nicht aufgeklärt, kommen unsere Helden richtig in Fantasy-Stimmung, getreu nach dem klassischen Rollenspiel-Prinzip. Da gibt es Krieger mit einer Bärenstärke und großen Klingen, aber auch einfache Männer mit Spitzhacken. Da gibt es Magier, helle und dunkle. Und da gibt es Schurken, mit Armbrüsten und lauter Einfällen, mal witzig, mal töricht. Und sie wagen sich vor in eine fremde, feindliche Welt voller Fallen und Schatten.

Da leben in meinem Geiste die alten Hero Quest Spieleabende wieder auf. Diese Kapitel machen Spaß. Sie sind ein wenig klischeehaft, aber das macht sie nur umso schöner.
Leider bleiben Endkampf und Auflösung hinter der Erwartungshaltung zurück. Es springt nicht gerade der Gärtner aus der Kiste, aber Freudenrufe oder dieses befriedigende „Wusst ich’s doch!“-Gefühl bleiben auch aus.

 

Fazit

Man merkt es der Rezension vielleicht schon an: Ich finde das Buch durchwachsen, eigentlich gut, aber eigentlich auch nicht.

Es ist durchaus etwas anderes, es macht Spaß. Aber es ist mir zu viel Krimi, zu wenig Fantasy. Zu wenig Abenteuer. Zu viel Zeit auf engem Raum.
Ich hätte gerne weniger Tatort und mehr Pen & Paper gehabt. Das Buch war kurzweilig, aber nicht fesselnd. Trotzdem solide Fantasy für alle, die genug vom epischen Kampf zwischen Gut und Böse haben.

 

Das Buch

Das erste Horn (Das Geheimnis von Askir 1) von Richard Schwartz erschien im Piper Verlag und hat 398 Seiten inkl. Glossar.

  • ISBN-10: 349226817X
  • ISBN-13: 978-3492268172