Ich bin ein Harry Potter-Kind erster Generation. Seit meinem 12. Lebensjahr bis zur Vollendung der Heptalogie hat mich die einzigartige Geschichte um den Zauberjungen begleitet. Weil ich die Bücher immer zu Weihnachten geschenkt bekam, ist die besinnlichste Zeit des Jahres für mich gleichsam zur Harry Potter-Zeit des Jahres geworden – daher mein Buch des Monats Dezember. Fröhliche Weihnachten :)

Er war zu Hause. Hogwarts war das erste und beste Heim, das er je gekannt hatte.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

 

Das Phänomen Harry Potter

Harry Potter Buchcover. (c)1997-2008 Carlsen Verlag. Gesehen bei bookparadies.blogspot.de

Harry Potter Buchcover. (c)1997-2008 Carlsen Verlag. Gesehen bei bookparadies.blogspot.de

Zugegeben, als ich die ersten beiden Bücher unterm Weihnachtsbaum fand, hielt sich meine Freude zunächst in Grenzen. Ich habe so eine Art grundsätzlicher Abneigung gegen gehypte Bücher – und Harry Potter war definitiv das erste dieser Art (gefolgt von Twilight (Bis(s)) und aktuell Shades of Grey (das ich übrigens bis heute boykottiere!)).

Aber wenn man zwei Wochen Ferien bei den Verwandten verbringt, greift man schnell mal zum nächstbesten Buch. Mit dem Resultat, dass ich den ganzen Ersten Weihnachtsfeiertag damit verbracht habe, Harry Potter und der Stein der Weisen zu lesen, weil ich nicht mehr von der Geschichte loskam. So wenig, dass Die Kammer des Schreckens direkt am zweiten Weihnachtsfeiertag durchgelesen wurde.

Heute, fast 12 Jahre später, bin ich immer noch ein großer Fan von Harry Potter und habe großen Respekt vor Joanne K. Rowling als Autorin. Warum genau? Was ist das Phänomen Harry Potter?

Ich könnte die Geschichte kaum mit Worten zusammen fassen, so komplex, so wie aus dem wirklichen Leben gegriffen, ist sie.
Im Prinzip erzählt Harry Potter die einfachste Geschichte der Menschheit: Der zu Beginn unerfahrene Held wird aus seiner natürlichen Umgebung gerissen und in eine fremde Welt gesetzt, wo er Abenteuer bestehen muss und sich am Ende seinem erbittertsten Feind stellt.

Aber Harry Potter ist viel mehr als nur diese Geschichte, gespickt mit liebenswürdigen Charakteren und ethischen Fragen von Rassismus, Tod, Freundschaft und Loyalität.

 

Hogwarts ist ein Gefühl

Das Wichtigste für mich: Hogwarts ist keine Schule, Hogwarts ist ein Gefühl!
Vielleicht liegt es daran, dass ich immer gern zur Schule gegangen bin, oder daran, dass ich den Großteil der Bücher an Weihnachten bei der Familie gelesen habe. Aber Hogwarts ist für mich der Inbegriff von Glückseligkeit.

Ich hätte früher alles darum gegeben, auf das Internat Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei irgendwo in der abgeschiedensten Einsamkeit Schottlands zu gehen. Allein die Tagesreise mit dem Hogwarts-Express von Gleis 9 ¾ zu Beginn jedes Buchs erfüllt mich mit Vorfreude.

  • Ich zelebriere das Festessen in der Großen Halle und die Auswahl der neuen Schüler durch den Sprechenden Hut.
  • Ich verfolge die Lerninhalte und Zaubersprüche, ich wandere in Gedanken durch die Bibliothek und in späteren Jahren auch durch die Verbotene Abteilung.
  • Ich feiere die verschiedenen Feste und Bälle (Halloween, Trimagischer Ball, Weihnachten) und genieße die Weihnachtsferien im fast leeren Gebäude bei winterlicher Schneedecke vor dem Fenster.
  • Ich bereite mich geistig auf die Prüfungen, die UTZs und ZAGs vor und vergleiche Noten.
  • Ich habe meine beliebtesten (McGonnagal, Lupin) und meine unbeliebtesten Lehrer (Slughorn, Umbridge) – und ich glaube, dass Zaubertränke das hogwart’sche Äquivalent zu Mathematik ist was die Beliebtheit angeht.

Kurzum: Ich bin jedes Jahr gerne nach Hogwarts zurückgekehrt und ich vermisse es manchmal genau so sehr wie ich meine richtige weiterführende Schule hin und wieder vermisse.

Aus diesem Grund bin ich J.K. Rowling sehr dankbar, dass sie die schulische Umgebung – also dramaturgisch gesehen den Anker für den Leser zu unserer Welt – sehr lange und sehr ausführlich aufrecht erhalten hat; erst im letzten Buch, wenn sich Harry, Ron und Hermine auf die Suche nach den Horkruxen machen, rückt der Schulalltag in den Hintergrund.

 

Aufgeweckte Hexen und mutige Zauberer

Durch Harry Potter haben die Begriffe Hexe und Zauberer, Zauberstab und Zaubersprüche eine völlig andere Bedeutung bekommen.

Vor Harry Potter waren Hexen runzelige, warzige Mütterchen auf Besenstielen, nach Harry Potter waren Hexen gutmütige Hausfrauen wie Molly Weasley oder intelligente Teenager wie Hermine Granger.
Vor Harry Potter waren Zauberstäbe wahlweise verdorrte Stäbe in den dürren Fingern alter Greise oder reich verzierte Gehstöcke à la Saruman. Nach Harry Potter war es Faktum, dass man seinen Zauberstab bei Ollivander in der Winkelgasse kauft.

Davon abgesehen sind alle Charaktere vielschichtig und auf ihre Art und Weise faszinierend. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, jeder hat seine guten und schlechten Seiten.

Frei nach Sirius Black: “Die Welt teilt sich nicht auf in gute Menschen und Todesser.”

Eine kleine Auswahl meiner Lieblinge:

  • Ron Weasley ist so absolut menschlich und ungezwungen, dass man ihn knuddeln möchte.
  • Minerva McGonnagal ist der Inbegriff von Disziplin und Lernen mit dem leisen Unterton von (groß-)mütterlicher Fürsorglichkeit.
  • Der tollpatschige Neville Longbottom hat etwa dieselbe beeindruckende Entwicklungsstufe wie das Pokemon Karpador zu Garados.
  • Severus Snape ist eine der sentimentalsten, traurigsten und liebevollsten Figuren, die ich kenne.
  • Draco Malfoy ist ein guter Junge in den falschen Kreisen.
  • Sirius Black ist der Lichtblick an meinem Harry Potter Horizont.
  • Der junge Tom Riddle ist ebenso faszinierend wie erschreckend und anziehend wie abstoßend.
  • Fred und George Weasley sind die Verkörperung von Scherz und Blödsinn mit dem Herz am rechten Fleck.

 

Fazit

Es fällt schwer, von dieser Welt, von diesen Charakteren und dieser Atmosphäre Abschied zu nehmen. Aber das muss man auch nicht – denn Bücher können immer wieder gelesen und Filme immer wieder angesehen werden (die Verfilmung ist übrigens hervorragend gelungen).
Meine Bewertung: O wie Ohnegleichen. Also warum nicht die nächste Adventszeit mit den kindlich-heimeligen Erinnerungen an Harry Potter verbringen?

 

Hier eine chronologische Auflistung aller Bände [mit meiner persönlichen Favoritwertung]. Ich besitze jeweils die gebundene Ausgabe von Carlsen.

Bd. 1: Harry Potter und der Stein der Weisen [4] , 336 Seiten
Bd. 2: Harry Potter und die Kammer des Schreckens [5], 352 Seiten
Bd. 3: Harry Potter und der Gefangene von Askaban [2], 448 Seiten
Bd. 4: Harry Potter und der Feuerkelch [6], 768 Seiten
Bd. 5: Harry Potter und der Orden des Phönix [7], 1024 Seiten
Bd. 6: Harry Potter und der Halbblutprinz [1], 656 Seiten
Bd. 7: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes [3], 736 Seiten