Ich habe meine wenige Zeit zum Lesen mal wieder mit Hörbüchern wettgemacht (ich bin jetzt Amazon Audible Abonnent) – diesen Monat war es Nele Neuhaus’ Thriller Böser Wolf, gelesen von Oliver Siebeck. Ein gelungener Spagat zwischen typisch deutschem Kriminalroman und nervenaufreibendem Psychothriller à la Hollywood.

Der Mensch ist des Menschen Wolf – homo homini lupus

Titus Maccius Plautus / Thomas Hobbes

 

Klappentext

Nele Neuhaus: Böser Wolf. (c)2012 Ullstein Verlag (dramaturgia)

Nele Neuhaus: Böser Wolf. (c)2012 Ullstein Verlag (dramaturgia)

An einem heißen Tag im Juli wird die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main bei Eddersheim geborgen. Sie wurde misshandelt und ermordet, doch niemand vermisst sie. Auch nach Wochen hat das K11 keinen Hinweis auf ihre Identität. Die Spuren führen zu einem Kinderdorf im Taunus und zu einer Fernsehmoderatorin, die bei ihren Recherchen den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität. Und dann wird der Fall persönlich.

Der 6. Fall für Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff.

 

Krimi-Thriller made in Germany

Bei diesem Buch fällt es mir unheimlich schwer eine Rezension zu schreiben, weil der kleinste Hinweis auf Inhalt und Story alles vorweg nehmen würde. Ich bitte mir also nachzusehen, dass diese Rezension (ebenso wie der Klappentext) relativ wenig Substanz hat.

Aber ich kann ein Lob an Nele Neuhaus aussprechen, die es souverän schafft, den Spagat zwischen typisch deutschem Kriminalroman und nervenaufreibendem Psychothriller à la Hollywood zu meistern.

Dieses Buch wird als der sechste Fall des Ermittler-Duos Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff bezeichnet. Ich kenne leider die bisherigen fünf nicht, aber die Charaktere sind sehr bodenständig, authentisch und – mit ihren Kompetenzen und Macken – sehr sympathisch.

Die Geschichte, die sich erst im Laufe der Handlung herauskristallisiert, ist vermutlich ebenso alltäglich wie abscheulich – von Nele Neuhaus schonungslos und doch geschickt behutsam erzählt und von Oliver Siebeck hervorragend facettenreich gesprochen.
Ähnlich wie ein Sebastian Fitzek bringt es (zumindest mich) durch die Alltäglichkeit und Authentizität der Geschehnisse zum Nachdenken, und auch ein wenig zum Fürchten.

Der Titel ist sehr passend gewählt – denn allzu oft verbirgt sich der Wolf nun einmal im Schafspelz. Und – das muss ich auch an dem Buch loben – obwohl die Handlung relativ schnell deutlich (und recht vorhersehbar) wird, tappt man bis zum Schluss mit nichts als einer bloßen Ahnung, wer es denn sein könnte (und wenn ja, wie viele?), im Dunkeln.

 

Kritik

Böser Wolf ist ein guter Thriller mit authentischem Setting, plastischen Charakteren und flüssiger Erzählweise.

Allerdings würde ich einen Punkt Abzug geben, weil am Ende nicht alle Fragen restlos beantwortet werden und die Geschichte, wenngleich sie rasch an Fahrt aufnimmt, sich doch recht streckt und ab einem gewissen Punkt vorhersehbar wird.

Wer außerdem die Hörbuch-Fassung von Oliver Siebeck hört (Achtung! Die von Julia Nachtmann gesprochene Fassung ist von fast 16 auf 7 Stunden drastisch gekürzt!), dem sei ans Herz gelegt, dass Oliver Siebeck seine Sache sehr gut macht.
Einzig seine tiefe, basshaltige Stimme stellt eine Herausforderung für laute Hintergrundgeräusche dar (z.B. beim Autofahren oder Sport), weil es weniger satte Mitteltöne gibt.
Eine gute Lautstärkeregelung (oder gute Ohren :)) dürften jedoch gut damit klar kommen.

 

Das Buch

Böser Wolf von Nele Neuhaus erschien 2012 im Ullstein Verlag. Die gebundene Ausgabe hat 480 Seiten und kostet (bei Amazon) 19,90 Euro.

ISBN-10: 3550080166
ISBN-13: 978-3550080166

Ich habe die Hörbuch Version von Audible gehört, in der ungekürzten(!) Fassung 15 Std. 51 Min. lang und von Oliver Siebeck gelesen.