Was macht man aus einem einzigartigen Erlebnis, wenn man weder fotografieren kann noch alle Einzelheiten in Erinnerung behalten kann? Man schreibt Tagebuch. Hier mein wohl persönlichster Post zur VIP-Premiere von Cinderella auf der Berlinale 2015.

Life is full of small, perfect moments.

(Disney’s Cinderella)

 

Die meisten Menschen, die etwas Tolles erleben, machen wunderbare Fotos davon, manche drehen sogar Videos, oder sie erinnern sich still und selig ihr Leben lang daran.

Ich kann leider keine guten Fotos machen und mein Gedächtnis wird allzu schnell von meiner Fantasie manipuliert, die es liebt, Erinnerungen zu verfälschen. Aber ich kann schreiben. Deswegen schreibe ich Tagebuch, wenn ich im Urlaub bin oder etwas Tolles erlebe. Und deswegen schreibe ich hier, wie ich die Weltpremiere von Kenneth Branaghs Cinderella auf der Berlinale 2015 als VIP von Audi erleben durfte.

Das wird wohl der persönlichste Post werden, der hier jemals zu lesen ist …

 

Es war einmal …

… eine junge Frau. Wenn man sie fragte, was sie später mal werden wollte, dann antwortete sie nicht „Prinzessin“, „Piratenbraut“ oder „berühmt“. Nicht etwa, weil sie das alles nicht wollte, sondern weil sie alles zusammen wollte. Und, weil sie mehr als das wollte. Was sie wirklich wollte, war, etwas für die Welt zu hinterlassen. Etwas, das größer ist als sie. Etwas, an dem andere Menschen teilhaben können. Etwas, das jeden zu einer Prinzessin machen kann. Das jeden zu allem machen kann, was er will.

Also fing sie an Geschichten zu schreiben. Und als sie einen jungen Mann kennen lernte, der dasselbe Ziel hatte, war es Liebe auf den ersten Blick, für ihr privates Glück und ihre beruflichen Pläne. Und so schoss sie ihre traumhafte Bachelor-Note, einen Master und alle Job-Angebote in den Wind und gründete eine Filmproduktionsfirma. Das Credo: „Film muss unterhalten.“ Und das bescheidene Ziel: Ein Academy Award.

 

And the winner is …

Das war vor etwas mehr als sechs Jahren. Und es war nicht immer leicht. Selbstständig sein und ein Unternehmen zu führen, gerade wenn es beide tun, ist Balancieren auf einem Drahtseil. Ohne das sichere Netz eines regelmäßig festen Einkommens und ohne den doppelten Boden einer Alternative. Ein Sprung ins Leere, ein Leap of Faith, nur mit dem Glauben an sich selbst und an eine große Idee.

„Be kind and have courage“, sagt Cinderellas Mutter (Hayley Atwell) im Film zu ihr. Und ich sitze im Berlinale Filmpalast sechs Reihen hinter Cate Blanchett und lächele. Denn vor allen Dingen waren es diese drei, die mich hierhin gebracht haben: Aufgeschlossenheit, Mut und meine Eltern. Heute geht es unserer kleinen Firma gut, wir haben eine regelmäßige Auftragslage und immer größere Kunden vertrauen uns immer größere Werbebudgets an. Und wir verlieren unser großes Ziel niemals aus den Augen, deswegen produzieren wir regelmäßig außerhalb von Auftragsarbeiten eigene Projekte für Filmfestivals und Wettbewerbe.

Zum Beispiel für den Audi Superkurzfilm-Wettbewerb, bei dem wir noch Last-Minute einen Tag vor Einsendeschluss entschieden, einen kleinen Beitrag einzureichen. Und zum ersten Mal hieß es für uns tatsächlich „and the winner is …“.
Berlinale. Roter Teppich. VIP. Und auf der Audi Facebookseite die besten Komplimente, die es für uns geben konnte:

klasse-werbung von audi ! :)

Da hat ja Audi ein cooles Video rausgebracht. *TOP* *TOP* *TOP*

Super Werbung!!!

Was habt ihr denn bitte immer für geniale Werbespotts?!

Hier unser Video, das innerhalb weniger Tage beinahe phänomenale 200.000 Aufrufe, knapp 10.000 Likes, fast 2.000 Shares und mehr als 400 Kommentare erreicht hat:

 

Champagner im Ritz

Berlinale. VIP. Roter Teppich. Übernachtung im The Ritz-Carlton 5-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz. Und für uns das Wichtigste: Zugang zur exklusiven VIP-Sponsoren Lounge.

Mein Tagebuch beginnt am Freitagmorgen um 3:50 Uhr, als mein Wecker klingelt. In vier 1-Liter Zip-Beuteln habe ich alles von Mini-Zahnpasta über Mini-Haarspray bis Mini-Shampoo dabei, damit ja nichts in der Flughafen-Handgepäck-Kontrolle stecken bleibt. Erst später ist mir aufgefallen, dass ich mir die Hälfte der Zip-Beutel hätte sparen können – ich sollte ja dieses Styling bekommen. Egal! Erster Halt: Potsdamer Platz.

 

9:30 Uhr – Check-In im The Ritz-Carlton Hotel Berlin

Es fühlt sich an wie eine Reise in eine andere Zeit, in der Damen noch Hüte und Schirme trugen und Herren Monokel und Taschenuhren. Nachdem der Concierge mit Hut und Cape uns unser Gepäck abgenommen hat und wir über die Schwelle getreten sind, fühle ich mich wie auf dem Deck der 1. Klasse auf der Titanic. So verloren in dieser opulenten Eingangshalle, so überwältigt von dem aufmerksamen Personal, das einem jeden Wunsch von den Lippen abliest. Wir tun uns ehrlich schwer, den Erwartungen, die man hier wohl an uns hat – schließlich sind wir Gäste und scheinen damit in gewisser Weise über all diesen freundlichen Menschen hier zu stehen – gerecht zu werden. Wir werden unglaublich freundlich, diskret und professionell eingecheckt – und ich lerne direkt die erste Regel meines Berlinale-Aufenthalts (die ich, um den Umfang nicht zu sprengen, in einem gesonderten Post festgehalten habe).

 

10:00 Uhr – Shuttle-Fahrt zur Audi City am Ku’Damm

Wir akklimatisieren uns langsam in den flauschig bequemen Sofas, auf denen bestimmt vor einer Woche erst Rose Dewitt Bukator ihren Nachmittagstee getrunken hat, als sich langsam auch die übrigen Wettbewerbs-Gewinner (5 Beiträge an der Zahl mit je einer Begleitung), der Social Media Verantwortliche von Audi und die Damen von der Event-Agentur einfinden. Eine kurze, aber sehr herzliche Begrüßung, wir sind alle auf einer Wellenlänge, dann verlassen wir das altehrwürdige Gebäude. Und blicken auf eine Reihe schwarzer Audi Limousinen mit getönten Scheiben, Berlinale-Emblem – und einem Fahrer, der aussteigt und mir die Tür aufhält!

Ich fühle mich wie Robin Wright aus House of Cards, als ich in dem 180.000 Euro teuren A8 mit XXL-Beinfreiheit, Minibar in der Mittelkonsole und persönlichem Chauffeur sitze und neugierige Passanten von außen versuchen, durch die getönten Scheiben einen Celebrity zu erhaschen. Unser Fahrer sieht aus wie Denzel Washington und war früher bei einer Security Firma. Ein gutes Gefühl.

Bei der Audi City angekommen (das neue hochmoderne, halb-virtuelle Autohaus des Konzerns mit Showroom und interaktiven Elementen mitten auf dem Ku’Damm) reicht man uns erst einmal Champagner und Häppchen. Und ich lerne Regel Nummer 2. Zwischen Obstspießen, Schoko-Mousse und Lachshäppchen lauschen wir der Führung durch die Audi City. Ein mutiges, innovatives Konzept. Vorsprung durch Technik.

 

11:30 Uhr – Shuttle-Fahrt zum Lunch in der Audi Berlinale Lounge

Der beste Blick auf den roten Teppich vor dem Berlinale Filmpalast: Die Audi Berlinale Lounge. Mit Champagner – natürlich -, kaum dass wir unsere Mäntel abgegeben haben.

Es gibt wahlweise Pilzrisotto oder Fisch und den besten Weißwein, den ich je getrunken habe – neben Champagner, dessen Nachfüllung ich gerade noch höflich verhindern kann. Ich will doch heute Abend noch etwas von dem roten Teppich mitkriegen!

 

13:00 Uhr – Exklusive Berlinale Backstage-Führung

Dann nehmen wir den Hintereingang zum Grand Hyatt Hotel, in dem während der Filmfestspiele die Pressetermine abgehalten werden. Gleich um 14:30 Uhr wird die Pressekonferenz zu dem Film abgehalten, der heute Abend Weltpremiere feiert, und endlich erfahren wir auch, dass es sich dabei tatsächlich um Cinderella handelt. Ich werde die Weltpremiere von Cinderella sehen! Und ich werde Helena Bonham Carter, Cate Blanchett und Richard Madden (Robb Stark aus Game of Thrones) live und in Farbe sehen! (Ich habe sogar die Kurz-Synopsis meines Manuskripts dabei, für den Fall, dass ich die Gelegenheit bekomme, mit ihm zu sprechen. Es gibt da eine Rolle, auf die er perfekt passen würde … Aber weiter im Programm!)

Wir erfahren nicht nur, dass die angereisten Crew- und Cast-Member einen straffen Zeitplan haben, bestehend aus Pressefototermin, Pressekonferenz, Interviews im Nachgang, gefolgt von einer kurzen Auszeit für Styling und Garderobe, um dann über den roten Teppich zu laufen, Interviews zu geben und Fotos schießen zu lassen, Einzug in den Berlinale Palast und Signieren der zuvor gemachten Pressebilder (, die in DIN A0 die Galerie-Wände der Aufgänge zieren, sehr geil!), Einzug in den Kinosaal und später Auftritt auf der Bühne vor der Leinwand.

Puh, klingt stressig. Aber nur wenige Minuten später erfahren wir quasi live, wie stressig das wirklich ist. Und als ich auf dem kleinen Pressebildschirm das unsichere Lächeln von Hauptdarstellerin Lily James (sie heißt wie beide Eltern von Harry Potter zusammen, ist das nicht cool??? Ähm … weiter ^^) und den kaum merklich gequälten Ausdruck in Helena Bonham Carters Augen sehe, wird mir zum ersten Mal wirklich und wahrhaftig bewusst, dass diese Fototermine und dieser Trubel, den wir Fans und Zuschauer immer für das Nonplusultra halten, für die Stars selbst eigentlich nichts anderes ist als der lästige Pflichtteil ihres Jobs. Die Steuererklärung quasi. Diese Leute wollen einfach nur vor der Kamera in andere Rollen schlüpfen und spielen, weil es ihnen Spaß macht. Und wir zwingen sie dazu, sich uns als der, der sie sind, ohne Rolle, ohne Maske, ohne schützende Leinwand zwischen uns, zu präsentieren und für Magazine, Presse und Fans ablichten zu lassen.

Monitor vom Presse-Shooting des Cinderella-Cast

Monitor vom Presse-Shooting des Cinderella-Cast …

... hinter dieser Wand. Der Kamerablitz übertönt leider das Blitzlicht-Gewitter, das von der Decke reflektiert.

… hinter dieser Wand. Der Kamerablitz übertönt leider das Blitzlicht-Gewitter, das von der Decke reflektiert.

 

 

 

 

 

 

 

Und während hinter der Wand, vor der ich sitze, das Blitzlichtgewitter losgeht und von der Decke zurückstrahlt und aufgeregte Fotografen wild durcheinander rufen: „Lily, here! Left shoulder! Left shoulder! Here, Lily! Turn your head! Lily, here!“, da habe ich wirklich Mitleid mit der süßen Lily James auf der anderen Seite der Wand.

Pressekonferenz zu Cinderella

Pressekonferenz zu Cinderella

 

14:30 Uhr – Shuttle-Fahrt zum Beauty Treatment

Ich schaffe es leider nicht mehr zur Pressekonferenz, weil mein Styling-Termin losgeht und mein Denzel Washington-Fahrer draußen auf mich wartet. Wir machen noch schnell eigene Fotos vor der Pressewand, nachdem das Cinderella-Cast wieder hinter der „VIP only“-Tür verschwunden ist und sich auf die Plätze für die Pressekonferenz begibt. Es liegt immer noch Stress in der Luft, ich kann die kürzlich verflogene Anspannung förmlich riechen. Jetzt ist die schmale Tribühne, auf der ungefähr 60 Fotografen schon Tage im Voraus viel Geld für den besten Platz bezahlt haben und übereinander geschichtet wie Kamera-Tiramisù die Stars abgelichtet haben, fast wieder leer. Nur einige sitzen noch hinter ihren MacBooks und sortieren die besten Schnappschüsse aus, um sie sofort an ihre Redaktionen in aller Welt zu schicken.
Wir lächeln trotzdem in die Kamera unseres Audi-Fotografen. Denn für uns ist das nicht wie Steuererklärung-machen. Und wir sind wirklich glücklich und stolz.

Dann muss ich mich beeilen und wir fahren zu dem, wie ich heute sagen kann, wirklich großartigen Beauty-Salon Shan Rahimkhan am Ku’Damm. Ach, hier waren wir ja heute schonmal, direkt nebenan ist die Audi City, hallo! Mir wird ein Glas Champagner in die Hand gedrückt, kaum, dass ich sitze, und zwei junge Damen ganz in schwarz fragen mich, was ich mir denn so vorstelle. Ich überlege kurz, weiß es eigentlich gar nicht und erkläre dann, dass ich mich normalerweise kaum schminke und ein recht auffälliges Kleid tragen werde. Die Haare am liebsten nicht so streng aus dem Gesicht und ansonsten: Was sie denken, was am Besten zu mir passt.

Ich werde immer nervöser und trinke entgegen meines Vorsatzes fast das ganze Glas Champagner, während die süße Schweizerin, sie ist ausgebildete Visagistin mit Weiterschulung zum Make-Up Artist, mit hellen und dunklen Nuancen ein Gemälde auf mein Gesicht zaubert wie ein Künstler auf eine Leinwand, und die niedliche Friseurin, sie kommt aus Italien, mit dem Glätteisen Korkenzieher-Locken auf meinen Kopf.

Am Ende schaue ich sprachlos in den Spiegel und eine Mit-Gewinnerin nimmt mir die Worte aus dem Mund: „Oh, wie schön! Wie Cinderella!“


 

Also gut, los geht’s! Roter Teppich, wir kommen!

 

17:00 Uhr – Shuttle-Fahrt zum Dinner in der Audi Berlinale Lounge

Wir sind wieder da. Nur diesmal ist der rote Teppich unter uns viel voller als heute Mittag. Erstmal Champagner! Es gibt unglaublich köstlich zubereiteten Kürbis und ein grandioses Perlhuhn, dazu darf ich noch einmal den hervorragenden Weißwein genießen. Ich hätte vielleicht den Lippenstift kaufen sollen. War vielleicht nicht so klug, erst zu essen und dann Roter-Teppich-Fotos zu machen. Egal, Champagner!

Kurz nach 6. Meine Nerven flattern. Fahrt zum roten Teppich, aah! Wir bekommen Anweisungen, wer auf welcher Seite sitzt und wie wir uns verhalten sollen, wenn wir aussteigen. Ich, die Frau, sitze rechts, damit  ich direkt auf den roten Teppich aussteigen werde. Jetzt steigen wir nicht in das Auto von Denzel Washington, der hier sieht eher aus wie Vinnie Jones. Und er sagt #1 der drei unvergesslichen Zitate des Tages, nämlich als ich Nervenbündel auf der Rückbank nervös lache: „Sie können es bestimmt nicht mehr hören, dass die Leute hier hinten immer total aufgeregt sind und sich fühlen wie wichtige Leute“, während ich versuche mein Kleid im Sitzen glatt zu ziehen. Und der Typ dreht sich um, sieht uns vollkommen ernst in die Augen und sagt:

Ihr sitzt in meinem Auto. Ihr SEID wichtig.

Uff. Da muss ich mir tatsächlich die erste Träne verkneifen, noch bevor ich auf dem roten Teppich stehe! Durchatmen. Ich sehe aus dem Fenster, das durch die Lichtverhältnisse gar nicht mehr so getönt ist. Wir fahren im Schritttempo gefühlte fünfzig Zentimeter an den Fans hinter der Absperrung vorbei. Ich werde niemals vergessen, wie mich diese Menschen anstarren, weil ich so toll gestyled in diesem wichtigen Auto sitze. Ich muss also wichtig sein. Und ich kann ihnen förmlich ansehen, wie sie sich fragen, woher sie mein Gesicht kennen und warum sie sich nicht an meinen Namen erinnern.

Dann hält das Auto. Und bevor ich mich sammeln kann, öffnet mir einer der bereitstehenden Assistenten die Tür. Ich steige aus und bemühe mich, nicht allzu dämlich auszusehen. Sofort ruft jemand von rechts „Look at me! Smile!“ und ich lächele. Dann gehen wir über den roten Teppich. Langsam. Ich sehe mich um, schaue auf die zahllosen Fotografen zu beiden Seiten, die nicht recht zu wissen scheinen, ob sie ein Foto von uns machen sollen oder nicht. Dann sehe ich aus dem Augenwinkel – mich selbst. In Großaufnahme. Auf der riesigen Leinwand rechts (man sieht sie in dem Bild etwas weiter oben im Anschnitt). Die Kran-Kamera hält voll auf uns drauf. Ich schenke ihr mein schönstes Lächeln, dann gehen wir weiter. Und in meinem rechten oberen Augenwinkel geht ein wunderschönes Paar in Türkis und Dunkelblau über den roten Teppich. Ich hoffe, dass ich nicht vollkommen dämlich aussehe. Später lese ich eine Message von meiner Mutter:

Waaah ich hab euch gesehen wie ihr aus dem Audi gestiegen seid und über den Teppich. Ich platz hier gleich vor Stolz!

Update: Hier der Ausschnitt aus dem Berlinale Livestream :)

Im Inneren des Berlinale Palasts angekommen, erwartet uns eine neue Front an Journalisten. Wir lächeln uns an, als wir an ihnen vorbei gehen. In diesem Augenblick schnappen einige Blitzlichter. Und ich kann nicht anders als zu denken: „Selig setzten wir unsere Reise in den kleinen, aber vollkommenen Teil unserer Ewigkeit fort.“ (Es tut mir leid, ich bemühe mich wirklich, nicht kitschig zu werden. Aber so ein Erlebnis steckt man nicht einfach so weg, selbst, wenn man nicht so hoffnungslos romantisch ist wie ich. Hoffe ich zumindest.)

 

19:00 Uhr – Filmpremiere im Berlinale Palast

Die netten Damen wollen uns schon in den Kinosaal lotsen, damit sich der Aufgang langsam leert. Aber ich denke gar nicht daran, ich habe immer noch ein Skript in der Tasche und überlege schon, ob ich einen Papierflieger daraus basteln soll, um es Richard Madden zukommen zu lassen. Von der exklusiven Audi Partner Lounge aus beobachten wir die Ankunft der Stars – bei einem Glas Champagner, das wir uns diesmal wahrhaftig verdient haben.

Helena Bonham Carter (links) und Cate Blanchett (rechts) auf dem roten Teppich

Helena Bonham Carter (links) und Cate Blanchett (rechts) auf dem roten Teppich

Helena Bonham Carter ist so klein, süß und zierlich in „echt“! Und Cate Blanchett ist eine vollendete Lady. Und ihr Kleid war der Wahnsinn! Als Richard Madden auftaucht, falte ich im Geiste Papierflieger. Ich warte bis zum Schluss am Treppenabsatz, aber der komplette Aufgang muss leer sein, bevor die Stars hereinkommen dürfen. Kein Papierflieger also. Wir nehmen unsere Plätze ein.

 

Make a wish upon a star

Cinderella ist großartig. Der Abend ist großartig. Audi ist großartig. Ich versuche, nicht allzu viele Freudentränen zu weinen, als sie ihr Happy End bekommen. Aber dann kommen noch #2 und #3 der unvergesslichen Zitate des Tages und diesmal habe ich wirklich zu knabbern: Im Vorfeld waren wir mit zwei anderen, älteren Paaren, die ebenfalls als VIP-Gäste von Audi geladen waren, ins Gespräch gekommen und hatten ihnen unseren Superkurzfilm-Beitrag gezeigt. Und nachdem der Abspann gelaufen war und das Cast sich auf der Bühne vorgestellt und wieder verabschiedet hatte und wir alle aufstanden, da drehte sich einer der älteren Herren zu uns um und sagte, immer noch klatschend:

Und in ein paar Jahren steht ihr da unten.

Das fällt so ungefähr in dieselbe herz-, ach was, die ganze Brust erwärmende „Ich-kann-nicht-mehr-ich-heul-gleich“-Kategorie wie ein Katzenbaby, das an deinem Finger saugt.

Wieder draußen ist die berührte Stimmung ausgelassener Freude gewichen und wir machen alle noch Fotos voneinander. Und, als wäre mein Tag noch nicht perfekt genug gewesen, macht jetzt der andere ältere Herr ein Selfie mit mir und sagt:

Dann kann ich zu Hause erzählen, ich hätte einen Promi aus den Staaten getroffen.

Ich könnte platzen vor Glück. Ich bin Prinzessin für einen Tag. Ich bin Cinderella. Denn um 12 Uhr fährt unser letztes Audi-VIP-Shuttle zurück zum Hotel und morgen bin ich wieder die junge Filmproduzentin mit dem großen Traum, die ich bin. Eine letzte Runde Champagner. Ach was, lass die Flasche gleich hier, denn ein Mitgewinner hat Geburtstag und so bald werden wir wohl keinen Champagner mehr trinken! Und zurück im Hotel ein letzter Blick in den Spiegel, bevor der Zauberspruch meiner guten Fee seine Wirkung verliert. Danke, Mama! Danke, Daddy! Danke an alle, die immer an mich und uns geglaubt haben. Danke, Audi! Wir bleiben dran.

Eins ist gewiss: Roter Teppich, wir werden uns wiedersehen!

 

… und der Film so?

Cinderella von Kenneth Branagh (übrigens der Gilderoy Lockhart Darsteller aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens) ist ein wundervolles Märchen, auch wenn man es nicht benebelt von VIP-Behandlung und Champagner zwischen den Stars auf der Weltpremiere gesehen hat. Als erster Realfilm schafft er es, den Zauber aller Disney-Zeichentrickfilme einzufangen, ohne aufgesetzt oder kitschig zu wirken. Er ist ein bisschen kitschig, aber genau das wollen wir doch auch. Er erzählt eine Geschichte über unerschütterliche, aufopfernde Warmherzigkeit, über Familienzusammenhalt, über Mut und über Liebe. Und über Magie, die Wunder bewirken kann. Wenn man daran glaubt.

Lily James spielt großartig Cinderellas innere Zerrissenheit zwischen Gehorsam und Selbstaufopferung ihrer Mutter zuliebe auf der einen Seite und ihren persönlichen Wünschen und Sehnsüchten auf der anderen Seite. Ich bin gespannt, was aus ihr werden wird.

Cate Blanchett gibt der bösen Stiefmutter großartige Facetten; ist manchmal so böse, dass einem die Luft wegbleibt, und manchmal so verletzlich, das man fast Mitleid hat. Es ist toll, dass der Film die Stiefmutter nicht als absolut böse Antagonistin darstellt.

Die Stiefschwestern bleiben leider trotz ihrer aufgedrehten Rollen eher blass,
dafür ist Helena Bonham Carter, die man normalerweise eher aus den seltsam-schaurigen Inszenierungen ihres Gatten Tim Burton kennt, in der Rolle der guten Fee ein absoluter Überraschungs-Hit! Sie ist wunderschön, und das wirklich im Sinne von sanft-schön, nicht skurril-schön (ich mochte sie schon immer, aber der flippig-groteske Stil von Mrs. Lovett, Bellatrix Lestrange oder der Herzkönigin ist nunmal nicht Jedermanns Sache), und sie spielt ebenso sanft und ehrlich, gar nicht so überdreht wie man sie sonst sieht. Wirklich, wirklich großartig!

Auch Stellan Skarsgard (Will Turners Vater Stiefelriemen Bill aus den Fluch der Karibik-Filmen) spielt als antagonistischer Großherzog sehr überzeugend.

Ansonsten sind die Spezialeffekte besonders hervorzuheben, weil sie absolut zauberhaft und vor allem dezent eingesetzt sind. Die Mäuse sind einfach liebenswert, die Verwandlung atemberaubend und die Rückverwandlung genau richtig pointiert.

 

Mein Fazit

Für Disney-Fans nicht nur ein Must-See, sondern ein Must-Immediately-Preorder, aber auch für alle anderen ein einzigartiges Filmerlebnis, wie man es seit den großen Disney-Filmen nicht mehr hatte. Hier der Trailer: