Neulich in UPlay: “Assassin’s Creed 3. Zuletzt gespielt am 3. Februar 2013.”
Kleiner Seitenblick aufs Datum. Leises Aufkeimen von Beschämung. Eine letzte Chance für (ich hab seinen Namen schon wieder fast vergessen) – Connor – und ein resigniertes: “Requiescat in pace, Assassin’s Creed 3”. Mein Fazit zum Spiel: Was unglaublich beeindruckend ist – und was mich den letzten Nerv gekostet hat.

Requiescat in pace

Ezio Auditore da Firenze

 

Alles ist erlaubt

Assassin's Creed 3 Cover. (c)2012 Ubisoft (dramaturgia)

Assassin’s Creed 3 Cover. (c)2012 Ubisoft (dramaturgia)

Den Satz nimmt Assassin’s Creed 3 wörtlich, denn die Bewegungsfreiheit und Möglichkeiten sind schier endlos.

Der Halb-Indianer Connor hat nämlich – im Gegensatz zu seinen Vorfahren Altair und Ezio eine Menge cooler neuer Fertigkeiten und ist in Sachen Waffen auf dem neuesten Stand der Technik.

Connor kann als waschechter Indianer nicht nur jagen (ein netter Zeitvertreib, den ich allerdings recht schnell aufgegeben habe, weil mir die armen Kaninchen, Rehe, Füchse und Waschbären leid getan haben. Lediglich Pumas und Bären habe ich getötet – sonst hätten sie mich getötet, was durchaus vorgekommen ist!). Connor kann auch über Bäume und Äste laufen und an Felsspalten und -wänden hinaufklettern (Gut, dass die Grafik und Engine dafür extra angepasst wurde ;)) – nein, im Ernst. Es macht wahnsinnig Spaß, weil die unbegrenzte Weite und die Bewegungsfreiheit der Assassin’s Creed Reihe dadurch eine ganz andere Dimension bekommt.

An Waffen verfügt Connor (natürlich) über das klassische Fallmesser, in doppelter Ausführung wie Ezio später auch. Unser indianischer Freund kann die Klinge allerdings auch abwinkeln und als Messer verwenden.
Außerdem hat er eine Tomahawk-Handaxt für den Nahkampf, Pfeil und Bogen, Pistolen und – mein ganz persönlicher Favorit – einen Wurfpfeil.
Klingt unspektakulär, sieht aber klasse aus, wenn man mit dem am Pfeil befestigten Seil Gegner zu sich zieht oder an Bäumen aufknüpft.

 

Es gibt jetzt noch mehr Neben-Missionen als früher und diesmal baut man ein ganzes Pionier-Dorf auf (Gut, kein Vergleich mit dem Wiederaufbau Roms, aber was solls).
Und die Erinnerungs-Barrieren sind nicht mehr so gravierend und störend wie in den Vorgängern.

Mit drei Worten: Alles ist erlaubt.

 

Nichts ist wahr

Auch diesen Teil des Assassinen-Credos nimmt sich Assassin’s Creed 3 zu Herzen.

Bestes Beispiel dafür ist der – abso-fucking-lutely awesome !!! – Prolog. Oh mein Gott, ich bin jetzt noch ganz hin und weg, wenn ich daran denke.

 

— Achtung, Spoiler —

Assassin’s Creed 3 spielt zur Zeit der Besiedlung Amerikas, also im frühen 17. Jahrhundert. Zunächst spielt man den Briten Haytham, der sich erst mit versteckter Klinge seinen Weg durch ein (fantastisch gestaltetes!) Opernhaus assassiniert und dann auf einem Schiff mehr schlecht als recht in die Neue Welt fährt – ein großes Ziel des Ordens vor Augen.

Und während wir dem smarten Briten folgen, fragen wir uns langsam: “Moment mal, war nicht überall die Rede von so einem komischen Indianer-Typ mit komischer Nase und komischem Tomahawk?”
Aber als Haytham dann eine Indianerin kennen lernt, mit der er sich halbwegs verbündet, ist die Sache geritzt: Wir spielen also erstmal Papa. Coole Sache, aber zu vorhersehbar.

Denkste! Während Indianer-Frau mit Baby im Bauch nämlich auf Nimmerwiedersehen in der nativ-amerikanischen Wildnis verschwindet, trifft sich Haytham mit seinen Ordensbrüdern um ein neues Mitglied aufzunehmen.
Und während sie ihr Gelöbnis herunterbeten, denk ich noch so bei mir: “Hm. Offensichtlich sind die Assassinen nicht mehr so auf “Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt.”

Und dann: “Du bist jetzt ein Mitglied von uns: Du bist ein Templer.”

Und der eingeblendete Mission erfolgreich-Titel: “Schmecken dir die Äpfel?” könnte nicht passender gewählt sein, während ich vollkommen davon geflasht bin, dass ich gerade im Ernst einen TEMPLER GESPIELT HABE!!! Und ihn auch noch nett fand!!!

Merke: Nichts ist wahr.

— Spoiler Ende —

 

Außerdem besticht Assassin’s Creed 3 durch hervorragende Sprecher-Arbeit (deutsch wie englisch), sehr gute Gestik und Mimik und tolles Environment und KI-Bewegungen. Unglaublich realistische Umgebungen, authentisch bevölkerte Marktplätze, überzeugende Figurenanimation. Toll!

 

Manches ist verbesserungswürdig

Assassin’s Creed 3 könnte ein tolles Spiel sein. Wenn da nicht ein paar Dinge wären, die zum Haare raufen sind.

In einer Vorab-Rezension habe ich schon den augenzwinkernden Kommentar gelesen:

Man kann sich jetzt nicht nur in Heuhaufen und Brunnen verstecken, sondern auch im hohen Gras und Gebüsch oder einfach zwischen zwei Passanten stellen. Und die Rotröcke sind ernsthaft so dumm, den einzigen Indianer-Assassinen in der Bevölkerung nicht zu erkennen, wenn er sich zwischen zwei Typen stellt?

Als ich das selbst ausprobiert hab, musste ich unwillkürlich grinsen. Aber Story vor Logik.

 

Ein weiteres Problem habe ich mit Connor selbst (Ja, ich bin ein Mädchen! Und ja, es ist mir wichtig, wie die Typen aussehen, denen ich die ganze Zeit auf den Arsch gucke!).

Altair war geheimnisvoll, unnahbar und gefährlich. Das war sexy, auch wenn man nichts von ihm gesehen hat.
Ezio war sexy, WEIL man etwas von ihm gesehen hat. Er war “Genie, Milliardär, Playboy, Philanthrop”, wie Tony “Iron Man” Stark es bezeichnen würde.

In Assassin’s Creed 2: Revelations glich Ezio dann schon eher einem Pavian als einem Playboy. Und jetzt, in Assassin’s Creed 3: Connor.
Vielleicht liegt es nur an mir, aber so sehr ich mich auch bemühe, ich kann ihn nicht attraktiv finden, weder seine Stimme, noch seine Haltung, von seinem Gesicht will ich gar nicht anfangen, noch seine Motive.

(Ich höre schon den einen oder die andere hetzen: “Boah, bist du oberflächlich!” – Aber mal ehrlich, welches Geschlecht ist denn in Videospielen immer bis zum geht nicht mehr aufpoliert und idealisiert? Frauen in Videospielen sind die schönsten Wesen auf dem Planeten (ganz neu Sarah Kerrigan in StarCraft 2, obwohl die Frau ein Alien mit Zerg-Haaren ist, wtf?!). Wieso sind es Männer nicht? Weibliche Spieler wollen doch ebenso was zu Gucken haben wie männliche, oder nicht?)

Na ja, aber da Connor wie alle anderen Assassinen auch meistens eine tiefe Kapuze trägt (nicht mal dann finde ich ihn attraktiv :’( ), schaue ich darüber hinweg.

 

Aber ich kann (leider) nicht über die verbuggte Steuerung, speziell mit Maus und Tastatur, hinweg schauen. Ich weiß, das Spiel wurde nicht für den PC optimiert. Aber die Spieleplattform PC ist (noch) nicht tot und mit meiner 5-Tasten-Maus konnte ich die bisherigen AC’s auch ohne Probleme auf 100 % durchspielen und konnte meine Desynchronisierungen an zwei Händen abzählen.

Aber bei Connor ist das nicht so leicht. Erst stellen sie mir die Steuerung um und zeigen auf dem Bildschirm “M3 (obere Daumentaste) für KONTER”. Aber beim Klick auf M3 passiert nichts – das M3 auf dem Bildschirm ist nämlich mein M4 (untere Daumentaste).
Da hat wohl jemand gepennt. Aber kann ja mal passieren. So sind die Kämpfe halt etwas anspruchsvoller (vor allem, weil die Steuerung bei Assassin’s Creed 2 und Ablegern stets klar definiert war: M1 (links) = Attentat, M2 (rechts) = auffälliger Modus, M3 = Arme (klettern, kontern, …), M4 = Beine (rennen, springen, …).

Leider scheint Connor auch nicht so viel von aneinander gereihten Befehlen zu halten. Wo man früher im AUFFÄLLIGEN MODUS (M2) auf einen Vorsprung zu GERANNT ist (M4), um den Todessprung durchzuführen, rennt Connor jetzt einfach weiter und stürzt sich zu Tode.

Apropos zu Tode stürzen: Diese dämlichen Aussichtspunkt-Mammutbäume sind meine Todesursache Nummer 1, weil ich den dämlichen Heuhaufen nie finde und statt elegantem „Leap of Faith“ einen verkorksten „Leap of Death“ hinlege -.-

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht böse, weil das Spiel zu schwer ist (es ist definitiv anspruchsvoller als die Vorgänger), sondern, weil es nicht das macht, was ich ihm sage.

 

Fazit

Es ist ein tolles Game mit toller Grafik und tollen Möglichkeiten. Aber es ist mühsam. Mühsam, am Ball zu bleiben, mühsam die Steuerungs-Bugs zu akzeptieren und die Mission zum 10. Mal zu restarten …

Und ich fühle mich auch wirklich furchtbar schlecht, weil mich die Story (George Washington, Boston Tea Party und Co.) so gar nicht interessiert, und weil mich Connor noch weniger interessiert. Und weil ich Assassin’s Creed 3 nicht zu Ende spielen werde.

Aber ich freu mich jetzt schon auf Assassin’s Creed 4 – denn „Pirates of in the Caribbean“ ;-) sind immer gut und jetzt kann es ja nur noch bergauf gehen!