In der Sneak Preview unseres örtlichen Kinos hatte ich gestern die Gelegenheit, schon vor Kinostart den neuen Film Hänsel und Gretel: Hexenjäger zu sehen. 5 Gründe (nein, nicht nur Jeremy Renner), den Film anzuschauen, auch wenn der Trailer anmutet wie One-Liner Action im Fantasykleid.

Don’t eat the fucking candy

Hänsel, Hänsel und Gretel: Hexenjäger

 

 

Hänsel und Gretel: Hexenjäger

Hänsel und Gretel Hexenjäger. Filmplakat. (c)2013 Paramount Pictures et al.

Hänsel und Gretel Hexenjäger. Filmplakat. (c)2013 Paramount Pictures et al.

Das altbekannte Märchen neu interpretiert: Die Geschwisterkinder Hänsel und Gretel werden im Wald ausgesetzt und stolpern über das Knusper-Häusen einer Hexe, die sie mästen und essen will. Gemeinsam schaffen sie es die Hexe im Ofen zu verbrennen und wenn sie nicht gestorben sind, dann knuspern sie noch heute.

Das Märchen endet hier, die Geschichte des Films beginnt erst: Weil ihnen die Hexen-Magie nichts anhaben kann, machen Hänsel und Gretel ihr Horror-Erlebnis zum Beruf und töten Hexen als Kopfgeldjäger – mit Waffen aus Van Helsing, Moves aus Matrix, One Linern à la Bruce Willis und in der Setdesign-Welt vom Herrn der Ringe.

Der Schmaus fürs Auge wird untermalt von einer soliden Story und interessanten Charakteren (inklusive eines an Diabetes erkrankten Hänsel :D) – Fazit: Lohnt!

 

 

1. In Deutschland gedreht

Spätestens seit Quentin Tarantinos Inglorious Basterds haben es viele US-amerikanische Filmemacher auf die deutsche Filmlandschaft abgesehen. Nicht etwa, weil wir die besten Schauspieler haben, sondern weil wir tonnenweise mit Filmfördergeldern um uns werfen. Damit könnte man die einheimische Filmkultur stärken, aber viel besser fühlen sich DFFF (Deutscher Filmförder-Fonds) und FFA (Filmförderanstalten), wenn sie das Geld den Amis in die Tasche schieben.

Gut für Hänsel und Gretel: Hexenjäger, der hauptsächlich im Filmstudio Babelsberg gedreht wurde (wo übrigens auch das Fahrrad des Steinbeißers oder Fuchur aus Die unendliche Geschichte steht).

Gut auch für zahlreiche deutsche Schauspieler, wie Thomas Mann, den niedlich-sympathischen Side-Kick, oder – wenn man einen Blick in die Credits wirft – auch viele deutsche Filmschaffende hinter der Kamera, wie Requisiteure, Produktionshelfer und Lichtmänner.

 

2. Ein Schmaus für das fantasy-mittelalterliche Auge

Bei so viel deutschen Geldern, Drehorten und Filmschaffenden stellt sich die leise Frage, weshalb der Film mit einem kolossalen, dichten und detailgetreuen Setdesign aufwartet, dessen Marktplätze nur so überquillen vor dichtgedrängten, dreckigen Leibern, während deutsche Vertreter desselben Genres wie Die Wanderhure sich auf einer Burg sage und schreibe fünf (5) frisch gewaschenen Menschen gegenübersehen.

Gut, man könnte sagen, das Budget von 5 Millionen der Wanderhure reichte einfach nicht aus für das, was die 50 Millionen von Hänsel und Gretel geschaffen haben, aber letztere mussten schließlich auch noch haufenweise 3D-Effekte einbauen und Stars wie Jeremy Renner, Gemma Arterton und Peter Stormare bezahlen.

Egal wie, jede Szene, jede einzelne Einstellung von Hänsel und Gretel: Hexenjäger ist ein Schmaus für das Auge. Häuser sind einfach und heruntergekommen, Menschen sind ungewaschen und tragen schmutzige Kleidung, Wohnstuben sind mit reichlich medievalem Schnick-Schnack behängt und Hexenverstecke wirken wahlweise wie bezaubernde Felsgrotten oder abgewrackte Waldhütten.
Wenn es sogar Snow White and the Huntsman zu einer Oscar-Nominierung für die beste Requisite geschafft hat, dann schafft es Hänsel und Gretel: Hexenjäger doppelt – wir sehen uns in 2013.

 

3. Jeremy Renner

Es gibt einfach Schauspieler, die haben so etwas an sich. Und ich kann mir nicht helfen, aber seit seinem großen Debut in Kathryn Bigelow’s Oscar-Film The Hurtlocker (Tödliches Kommando) als Bombenspezialist finde ich Jeremy Renner einfach – cool!

Zugegeben, er ist nicht gerade die Inkarnation von Adonis, aber irgendwas hat dieser Kerl an sich, das ihm einen faszinierenden Reiz verleiht – besonders, wenn man ihm eine coole Waffe in die Hand gibt (wie in The Avengers oder hier in Hänsel und Gretel: Hexenjäger).
Es macht also Spaß, den Film zu schauen, weil es Spaß macht, Jeremy Renner an- und zuzuschauen.

 

4. Spannung vor der Kamera

Damit auch Männer etwas zum Anschauen haben, gibt es die hübsche Gemma Arterton in der Rolle der Gretel. Ihre bekannteste Rolle ist wohl die des Fast-Bond-Girls in James Bond: Ein Quantum Trost, außerdem zu sehen war sie in Prince Of Persia als hochnäsige Prinzessin Tamina und in Kampf der Titanen. Mir zuerst aufgefallen ist sie in dem weniger bekannten (auch ge-Sneak-ten) Film Girls of St. Trinian.

Gemma Arterton ist hübsch anzusehen und schafft es als Gretel, gleichzeitig kaltblütige Überlegenheit und verletzliche Unschuld zu verkörpern.
Außerdem ist das Zusammenspiel der beiden fantastisch, eine gelungene Mischung aus geschwisterlicher Ärger-Liebe und knisternder Anziehung.

 

5. Überraschend plausible Story, solide Charaktere

Also gut, der Trailer hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. Der Film hat mich gereizt (hauptsächlich wegen Jeremy Renner und  der coolen Idee, Hänsel und Gretel als Kopfgeldjäger darzustellen), aber ich hätte ihn mir wohl eher nicht angeschaut. Umso glücklicher bin ich, dass ich ihn jetzt doch gesehen habe, denn: Der Trailer täuscht.

Natürlich – Atemberaubende Action-Stunts, coole One-Liner und jede Menge dicke Waffen kommen nicht zu kurz, keine Frage.
Aber im Gegensatz zu vielen Action- oder Horrorfilmen, die bloß Action/Horror um der Action/des Horrors willen sind, fußt dieser Film auf einer soliden Story, die eine passable Fallhöhe aufbaut, vor allem aber nicht alles ins Lächerliche zieht.
Der Film schafft die Art von guter Story, die nur entsteht, wenn man die Charaktere mit ihr verbindet und nicht bloß losgelöst hineinsetzt.

So kann mein “Hirn aus – Action an”-Teil grinsend im Kino sitzen, während mein anspruchsvoll-kritischer Teil mit selbstgefälligem Lächeln dasitzt, weil er die Story genauso aufgezogen hätte.

 

Fazit

Am 28. Februar 2013 ist Kinostart, das ist nächste Woche Donnerstag.
Falls Stirb Langsam und Les Misérables schon angeschaut sind und du nichts besseres vorhast, gönn dir ein wenig kurzweiliges, spaßiges Popcorn-Actionkino im medievalen Fantasy-Kleid :)

Bis dahin gibt’s hier den Trailer: