Heute den dritten Teil der Immortals (Evermore) Saga zu Ende gehört: Shadowland (Schattenland). Oh, Ever! Oh, Alyson Noel! Ihr habt mir beigebracht, dass eine Geschichte wie eine Zwiebel ist. Sie hat viele Schichten, viele Komponenten, die alle irgendwie stimmen müssen. Sonst fängt man an zu heulen.

Auf den ersten Blick ist jedes Mädchen schön. Auf den Zweiten kommt es an.

Unbekannt

 

Evermore ist Ever … more or less

Man sagt ja immer, in allem steckt etwas Gutes – und wenn es nur als Beispiel dient, wie man es nicht machen sollte.
Auf diese Weise zum Nachdenken gebracht hat mich die Immortals-Reihe (dt.: Evermore) von Alyson Noel. Ich reiße das Buch kurz in meinem Artikel “Twilight vs. the Immortals” an, will mich dem Thema hier aber noch einmal ein wenig mehr widmen.

Ich gebe eine (leichte) Spoiler-Warnung, obwohl ich versuche, nur Inhalt wiederzugeben, der sich aus den Klappentexten der Bücher 1-6 zusammensetzen lässt (was mich persönlich ziemlich aggressiv macht. Ich weiß also jetzt schon, was passieren wird, was nicht passieren wird, und wie viele ätzend lange Bücher ich noch auf mein Happy End warten muss, weil Ever einfach dumm ist!)

Eine kurze Zusammenfassung, damit wir alle auf einem Stand sind:

 

Erstes Buch. Das Mädchen Ever trifft den Jungen Damen, die beiden verlieben sich. Damen ist unsterblich und 600 Jahre alt.
Das erste Buch handelt davon, wie die beiden zusammen finden, wie Ever erfährt, dass Damen unsterblich ist, und wie der große Antagonist besiegt wird – in diesem Fall Damens (ebenfalls 600 Jahre alte, unsterbliche) Ex-Frau. Klassische Beziehungskiste mit Mann-Frau-Ex Dreieck.

Tolles Buch, erfrischend andere Story, kurzweilig erzählt. Kompliment!

 

Zweites Buch. Nachdem unser erster Antagonist gestorben ist, muss ein neuer her: Der ebenfalls unsterbliche Roman, der unsterblich (lol) in Damens Ex-Frau verliebt war. Aus Rache belegt er Damen mit einem Spruch, der ihn altern und sehr bald sterben lässt, wenn Ever sein Spiel nicht mitspielt.

Puh … Okay. Die Geschichte entwickelt sich cool, aber die Story zieht sich etwas. Die letzten Seiten gehen einfach gar nicht.
Wie Ever einfach so dumm sein kann, so dumm, so dumm. Am Ende hat sie dann einen lebendigen, wieder unsterblichen Damen, aber wenn sie ihn berührt, fliegt er in die Luft. Toll!

 

Drittes Buch. Damen ist nicht gerettet (weil Ever so dumm war). Roman ist auch immer noch da (weil es sonst keinen Antagonisten gäbe), und Evers und Damens Problem ist immer noch nicht gelöst (weil Alyson Noel wohl sonst keine Handlung eingefallen wäre).

Wir spulen also quasi Buch 2 noch einmal ab: Evers verzweifelter Versuch, Damen und damit die Zukunft ihrer Beziehung zu retten. Um wieder auf den letzten Seiten ALLES ZU VERSAUEN!!! Wie dumm kann denn ein Mensch bitte sein? Dagegen ist Bellas “Ich schneide mich mitten in einem Haufen Vampire an einem Geschenkpapier” echt noch harmlos!

 

So viel bisher. Es gibt insgesamt 6 Bücher, und nach allem, was Klappentexte hergeben, stehen Damen und Ever am Anfang von Buch 6 immer noch ohne Gegengift da. Seriously, braucht dieses dämliche Kind ehrlich geschlagene 4 ½ Bücher, um das zu beschaffen?!

Laut Amazon- und Audible-Bewertungen kapitulieren 40% der Fans von Evermore beim dritten Teil, und 70% beim vierten. Ich bin gespannt, ob ich das “Happy EVER after” erleben werde.

 

Die 5 Komponenten eines Werks

Aber ich wollte mit diesem Artikel auf etwas anderes hinaus: Nämlich, dass ein Buch mehr Schichten hat als nur die Geschichte. Es besteht aus vielen Komponenten, die zusammen wirken müssen, damit ein Buch / ein Film / eine Geschichte gut ist.

Fünf wichtige Aspekte eines Werks:

 

1. Geschichte

Natürlich, die ist wichtig. Aber auch eine eher mittelmäßige Geschichte kann durch die Komponenten 2-5 hervorragend werden (wie oft haben wir schon immer und immer wieder dieselbe Geschichte gehört, nur anders verpackt? Bestes Beispiel: Avatar. Mega-Erfolg, obwohl 1:1 Pocahontas).
Evermore zum Beispiel hat eine gute, eine sehr gute Geschichte. Aber trotzdem geht es ab Buch 2 auf die Nerven – warum?

 

2. Setting

Die Atmosphäre eines Werks macht viel aus. Sie ist eigentlich das einzige, was Avatar (surrealer SciFi Weltraumplanet) von Pocahontas (unbesiedeltes Amerika um 1620) unterscheidet.
Das Setting hilft uns auch, uns leicht in eine Story hineinzufinden, speziell in der Urban Fantasy (wie Harry Potter, die Chroniken von Narnia, Twilight oder eben Evermore): Wir beginnen  im bekannten Setting unserer realen Welt und streuen dann erst allmählich Fantasy-Elemente ein.
Ich glaube mittlerweile, Urban Fantasy Bücher sind nahezu narrensichere Erfolgsgaranten.

 

3. Erzählstil

Damit meine ich sowohl Satzbau und Wortwahl eines Autors (und nicht zu vergessen, des Übersetzers!), als auch seine Fähigkeit, zu beschreiben und zu erzählen.
Man kann im schönsten Schreibstil völlig platt erzählen, und man kann die packendste Geschichte in so holprige Worte kleiden, dass es keinen Spaß macht.
Leider (oder glücklicherweise) ist bei einem Buch der Erzählstil das einzige, was wir vom Autor mit auf den Weg kriegen, das einzige, das uns die ganze Zeit über begleitet. Er beschreibt die Story und das Setting, aber wenn er miserabel ist, wird auch das Buch kein Erfolg.
Der Schreibstil von Evermore ist – im ersten Buch – sehr erfrischend jung, modern, punktgenau und humorvoll. Aber schon im zweiten Buch finden sich alle Nase lang immer und immer wieder dieselben Ausdrücke und Beschreibungen, das ist nicht so toll.
Der Schreibstil von Tolkien dagegen … puuh, daran muss man sich auch gewöhnen :)

 

4. Figuren

Treue Leser wissen es vielleicht schon, für mich sind Figuren wichtiger als Geschichten. Denn jede Geschichte wurde schon einmal erzählt. Aber handelnde Figuren (und ihre Konstellation) sind immer wieder anders.
Über Charaktere habe ich schon so viele Artikel verfasst, was Gute und Schlechte ausmacht, wie wichtig Motivation ist, etc., dass ich das hier sein lasse.
Damen zum Beispiel ist eine furchtbare Figur! Ich meine, klar, er HAT eine gute Figur, und er ist unsterblich, und zu seinen besten Freunden zählten DaVinci, Picasso, Newton und Co. Aber das war es auch schon. Er hat keine Motivation und keinen Eigenantrieb. Er steht eigentlich immer bloß da und guckt Ever dabei zu, wie sie versucht ihrer beider Zukunft zu retten.

 

5. (bei Hörbüchern): Sprecher

Ich hätte es niemals für möglich gehalten! Ein Sprecher ist so unglaublich wichtig. Wer immer von euch ein Buch schreibt, achtet darauf, dass es bei der Hörbuchauflage einen guten Sprecher bekommt! Der Sprecher ist beim Hörbuch das, was der Schreibstil beim Buch ist.
Ich höre Evermore auf englisch, gelesen von Katie Schorr. Und sie ist so unglaublich gut! In meinen Audible-Bewertungen bekommt das Buch zwischen 2 und 4 Sternen, aber sie bekommt immer 5. Sie haut es einfach raus. Die deutsche Stimme dagegen – Oh, boy!