Tolkien tat es, obwohl er ein toller Erzähler war. Journalisten tun es, obwohl sie auch weiterhin Bänkelsingen könnten. Politiker tun es, obwohl sie einfach aus dem Stehgreif Reden halten könnten. Und ich tue es, obwohl ich auch einfach meine Klappe … äh, Finger … halten könnte ;)

Fünf Gründe, warum man schreiben sollte. Denn: Schreiben macht glücklich!

Gesegnet sind jene, die Schriften verfassen, die es wert sind gelesen zu werden

Epistulae

 

1. Wer schreibt, der bleibt

Ernsthaft Romane schreibe ich seit 2009. Meine Hauptmotivation, mich auch nach 4 Jahren mehrmals die Woche, ja manchmal nächte- und tagelang an die Tastatur zu setzen, obwohl ich meine Freizeit auch anders verbringen könnte, ist immer noch das gute Gefühl, etwas zu erschaffen, das bleibt. Etwas, das mich überdauern wird.

Nicht Stunde um Stunde mit Videospielen verschwenden (obwohl es sich für manche Spiele lohnt).
Nicht vor den Fernseher setzen und stundenlang beschallen lassen.
Nicht einmal lesen (nichts geht über ein gutes Buch) verschafft mir so tiefe Zufriedenheit wie schreiben.

Ich schreibe für mich, ich schreibe für andere. Aber vor allem schreibe ich für die Zukunft. Denn irgendwann wird irgendjemand, und sei es nur ich selbst, mein(e) Werk(e) lesen. Und ich bin jetzt schon stolz, dass ich etwas erschaffen habe.

 

2. Ich mach mir die Welt, widde-widde-wie sie mir gefällt

Manchmal hat Schreiben auch etwas mit Realitätsflucht zu tun. Meistens ist es aber einfach überströmende Fantasie, die ein Ventil sucht. Höher, schneller, weiter. Mehr Gefühl, mehr Spannung, mehr Größe.

Wenn du schreibst, erschaffst du deine Welt nach deinen Regeln. Du inszenierst Gefahren, knüpfst Beziehungen und setzt Plot Points, um deine Welt, deine Figuren und deine Geschichte in die Richtung zu führen, die du willst.

Deine Vorstellungskraft ist die Grenze. Du brauchst kein Millionenbudget für bildgewaltige Science Fiction Kulissen, keinen A-List Schauspieler für den smarten Actionhelden. Keinen Hans Zimmer für das emotionale Grundambiente.

Du brauchst bloß einen Stift und ein Blatt Papier oder eine Tastatur.

 

3. Sich wachsen sehen

Die erste Fassung meines High Fantasy Romans „Schatten der Vorsehung“ hat 759 Seiten (ja, viel zu lang!). Allein zwischen Anfang und Ende haben sich Ausdruck und Schreibstil deutlich verbessert, sind Figuren schärfer geworden und der Plot dichter. Der Folgeteil (ca. 620 Seiten fertiggestellt) ist schon in der ersten Fassung fast „sendefähig“.

Insgesamt habe ich für dieses Projekt über 1.500 Seiten gefüllt, und wenn ich jetzt Seite 1 und Seite 1.500 miteinander vergleiche, liegen Welten dazwischen. Welten, in denen ich selbst gewachsen bin.

Darum bewahre ich jeden Zwischenschritt auf. Denn wenn man alte Projekte irgendwann wieder aus der Schublade holt, weiß man nie, was man kriegt:
Bei manch plumper Satzkonstruktion möchte man vor Scham im Boden versinken. Aber bei so mancher Beschreibung oder Storyline kann man gar nicht glauben, dass so etwas Geniales von einem selbst stammt.

Darum: Nie aufhören. Denn es kann nur besser werden :-)

 

4. Ausdruck üben

Auch für das reale Leben außerhalb der Schreibwelt kann man das Schreiben gebrauchen. Man benutzt mehr unterschiedliche Ausdrücke, lernt neue Worte hinzu, bekommt ein Gespür für Formulierungen und vermeidet Wortwiederholungen. Man kann einfache Sätze bilden. Oder Komplizierte. Und man lernt nie aus!

 

5. Platz für neue Ideen schaffen

Last but not least: Platz machen!
Warum schreiben wir uns To-Do Listen, Einkaufslisten und Gedächtnisstützen? Damit wir es nicht vergessen. Und, damit unser Kopf nicht platzt.

Besonders, wenn man kreativ arbeitet, drängen sich hin und wieder unangemeldete Geistesblitze und Ideen auf. Dann muss man diesen genialen kleinen Dingern immer sagen, dass man ihren Einsatz sehr schätzt, sie sich aber bitte noch ein wenig gedulden müssen, bis man Zeit für sie hat. Ratet mal, wie geduldig solche Geistesblitze sind. Das ist wie der Traum, den man sich beim Erwachen fest vornimmt zu behalten, und wenn man wach ist, ist er weg. Also aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben.

Ich habe ein Notizbuch neben meinem Schreib-Sessel, eins im Auto und eins in der Badewanne. Darauf kommen manchmal kurze Stichpunkte oder grobe Handlungsskizzen, teilweise auch ganze Dialoge. Und wenn ich sie aufgeschrieben habe, geben die kleinen Gedankenblitz-Biester Ruhe. Und ich habe wieder Platz für Neue.

 

In diesem Sinne: Mach was aus deiner Zeit. Schreib!